Was verursacht am meisten Kosten – Krebs, Demenz oder Herz?

Welche Erkrankungen sind in der Geriatrie und in der Palliativmedizin am kostspieligsten? Eine aktuelle Studie aus den USA kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

, 29. Oktober 2015, 10:18
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Komplizierte Therapien und Behandlungen, Medikamente und langjährige Pflege belasten nicht nur die Patienten und Angehörige, sondern kosten auch eine Stange Geld.
Am teuersten sind Behandlung- und Betreuungskosten für die letzten fünf Lebensjahre bei Demenz-Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine in den «Annals of Internal Medicine» publizierte Studie.

1'500 Todesfälle analysiert 

Amy Kelley, eine Palliativmedizinerin und Geriaterin am Mount Sinai Hospital in New York, verglich zusammen mit weiteren Wissenschaftlern die Kosten von über 1’500 Menschen. Sie zerlegten dabei die gesamten Krankheitsausgaben von Patienten, die an Demenz, Herzerkrankungen, Krebs oder an anderen Krankheiten verstorben sind. 
Die Daten stammten von der Health and Retirement Studie, wo 20’000 Amerikaner alle zwei Jahre befragt werden – unter anderem auch über den finanziellen Aufwand von Medizin und Pflege.

«Soziale» Gesamtkosten als Basis

Interessant ist dabei, dass die Geriater und Palliativmediziner die «sozialen» Gesamtkosten der Betreuung ermittelten. Diese beinhalteten nicht nur die Ausgaben für medizinische Behandlungen, sondern im weitesten Sinne auch die Pflegekosten.
Und da es für Demenzerkrankungen bislang keine effektive Therapie gibt, mussten viele Demenz-Patienten über den ganzen 5-Jahreszeitraum betreut werden. Darin liegt auch die Ursache, weshalb die Gesamtausgaben höher als bei den Herz- oder den Krebskranken liegen.
Was heisst das unter dem Strich in Zahlen? Für die Betreuung:

  • von Demenz-Patienten über die letzten Lebensjahre rund 287’000 Dollar,
  • für Herzkranke betrugen die Kosten rund 175’000 Dollar und
  • für Krebspatienten 173’000 Dollar.

60’000 Dollar aus dem eigenen Sack

Eine solch hohe Belastung kann auch finanziell schnell in den Ruin führen. Denn die staatliche Versicherung in den USA trägt nur die medizinischen Behandlungskosten. 
Pflegeausgaben müssen die Angehörigen der Demenz-Patienten aus dem eigenen Sack bezahlen: im Durchschnitt 61’500 Dollar. Das sind 80 Prozent mehr als bei nicht-dementen Erkrankungen, heisst es in der Studie. 
Amy S. Kelley,Kathleen McGarry, Rebecca Gorges, Jonathan S. Skinner. The Burden of Health Care Costs for Patients With Dementia in the Last 5 Years of Life, in: «Annals of Internal Medicine». Oktober 2015.
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