Wartezeiten abschaffen!

Warum müssen Patienten immer auf Ärzte warten und nicht umgekehrt? Der Chef einer grossen US-Klinikkette stellt das gängige Modell in Frage - und will die Wartezeiten zumindest in der Notaufnahme auf Null reduzieren.

, 20. Dezember 2016, 08:02
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«Bitte haben Sie Geduld»: Wer in die Notaufnahme eines Spitals eintritt, wird zuerst einmal in den Wartemodus gestellt. Zumindest in der US-Gesundheitsorganisation Geisinger soll damit demnächst Schluss sein. CEO David Feinberg will in den nächsten zwei Jahren die Wartezeiten in der Notaufnahme abschaffen. Geisinger Health System gehört mit rund 30'000 Mitarbeitenden, davon 1'600 fest angestellten Ärzten, zu den grössten Gesundheitsorganisationen der USA.
In einem LinkedIn-Post, welcher in der Branche grosse Aufmerksamkeit erregt, schlägt Feinberg vor, mit der Behandlung zu beginnen, sobald der Patient die Notaufnahme betritt. Schon am Eingang brauche es qualifzierte ärztliche Erstkontakte. Dies sei möglich, indem mehr Ärzte angestellt würden und die Aufnahme vereinfacht würde, etwa mit einer Online-Registrierung, um unnötigen Papierkram zu vermeiden. 
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«Wir warten auf dich»

Für Feinberg signalisiert der Warteraum dem Patienten nichts anderes, als dass die Zeit des Arztes wertvoller sei als die des Patienten. Um zu zeigen, dass der Arzt die wichtigste Person am Ort sei, würden eigens Infrastrukturen in Form von Warteräumen geschaffen. Dabei müssten die Organisationen zunehmend vom versorgerzentrierten Modell abrücken und mehr auf den Patienten fokussieren.
«Wenn dein Kind suizidal ist oder deine Frau Brustkrebs hat oder dein Vater oder deine Mutter im Badezimmer gestürzt sind und bluten, ist warten das letzte, was du willst», schreibt Feinberg. «Wir müssen für die Menschen den Zugang und die Verfügbarkeit erhöhen. So können wir ihnen zeigen, dass es für uns ein Privileg ist, sich um sie zu kümmern. Wir müssen dem Patienten sagen: 'Wir warten auf dich'.»  

Patient soll keine Nummer sein

Feinberg ist überzeugt, die Wartezeiten in der Notfallabteilung innerhalb von zwei Jahren abschaffen zu können. Neben der Einstellung zusätzlicher Ärzte und Online-Registrierungen sollen auch Warteräume in Behandlungsräume umgewandelt werden. «Im Warteraum wurde noch nie jemand geheilt», so Feinberg. Im Gegenteil, dort werde das Leiden noch erhöht. Die Menschen wie eine Nummer zu behandeln sei okay in der DMV [Strassenverkehrsamt, Red.]. Aber im Gesundheitswesen gehe das nicht.

Wartezeiten sorgen für Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass David Feinberg den Finger auf einen wunden Punkt im Gesundheitssystem legt. So führte er in seiner Gruppe eine Geld-zurück-Garantie ein, mit dem unzufriedene Patienten einen Teil der Kosten zurückfordern können. Laut Feinberg hat das Entschädigungsprogramm geholfen, die Patientenzufriedenheit zu erhöhen. Ausserdem führte es dem Management die Schwachstellen der Organisation vor Augen. Erraten, was auf der Liste der Kritikpunkte zuoberst steht: Es sind die Wartezeiten, besonders die in der Notaufnahme. 
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