Wann würden die Leute ihre Gesundheitsdaten teilen?

Eine kleine Umfrage besagt: Herr und Frau Schweizer würden auf Anreize reagieren – und dann Versicherern eher gewisse Daten anvertrauen.

, 8. März 2017, 09:44
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Grafik: EY, «Dying, Surviving or Thriving», 2017.
Anfang Februar machte ja eine Krankenkassenstudie der Beratungsfirma EY von sich reden: Sie sagte voraus, dass sich die Gesundheitskosten und die Prämien bis 2030 verdoppeln werden. Angesichts der spektakulären Prognose ging ein interessanter Teil der Studie unter: Die EY-Untersuchung besagt nämlich auch etwas darüber, wie sich Herr und Frau Schweizer zum Austausch von Gesundheitsdaten stellen.
Konkret wurden 450 Menschen in der Schweiz befragt, wie sie sich zur Aufzeichnung und Verbreitung ihrer Gesundheitsdaten stellen. Repräsentativ ist die Sache also nicht, aber man sieht eine Tendenz. 
Sie besagt: Es gibt eine vorsichtige Bereitschaft, Gesundheitsdaten zu teilen. Aber gewisse Anreize werden hier wohl noch verstärkt nötig sein. Konkret ergab die EY-Befragung:

  • Knapp die Hälfte der Befragten zeichnet bereits heute Gesundheitsdaten auf.
  • Am häufigsten werden dabei Schritt- und Fitnessdaten gemessen. 
  • Kaum erhoben werden andererseits eher medizinische Messdaten wie Blutdruck oder Cholesterinspiegel.
  • Der Unterschied erklärt sich wohl einerseits aus der Machbarkeit. Aber wichtig ist auch die Motivation zur Aufzeichnung:  Knapp die Hälfte der Befragten zeichnet Daten auf, um eine Übersicht über sportliche Leistungen zu erhalten (46 Prozent davon tun dies aus blosser Neugie;  42 Prozent, um ein Fitnessziel zu erreichen). 36 Prozent wollen mit den Aufzeichnungen ihren Gesundheitszustand überwachen.

  • Von den Befragten, die heute keine Gesundheitsdaten aufzeichnen, wollen nur 13 Prozent in Zukunft damit beginnen. Das heisst also, dass etwa 40 Prozent der Menschen grundsätzlich skeptisch sind.
  • Dies ändert sich leicht, falls die Versicherten im Gegenzug einen angemessenen Vorteil von ihrem Krankenversicherer enthalten. Unter dieser Voraussetzung sind 43 Prozent bereit, Gesundheitsdaten aufzuzeichnen.
  • Allerdings: Bei intimen Datenkategorien wie persönlichem Wohlbefinden oder Alkoholkonsum nimmt die Offenlegungsbereitschaft signifikant ab.
  • Sie steigt jedoch wieder an, wenn es Anreize gibt. Konkret: Prämienrabatte auf die Grund- und Zusatzversicherung stellen für die Versicherten den grössten Anreiz dar, ihre Gesundheitsdaten zu teilen.
  • Wenn mit dem Datenaustausch eine individuelle Gesundheitsberatung verbunden wäre, so wäre dies immerhin für ein Drittel der Befragten interessant.


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