So tricksen Schweizer Ärzte und Kliniken

Mit einem Scheinzwischenhändler sollen Augenärzte ihre Produkte künstlich verteuert haben. Involviert ist auch die Hirslanden-Gruppe.

, 23. November 2018 um 08:47
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Um mehr an Medizinalprodukten zu verdienen, haben Berner Augenkliniken eine im Berner Dorf Worb angesiedelte Briefkastenfirma dazwischengeschaltet. Die Promed hate keine eigene Angestellte und Räumlichkeiten. Dies hat der «Beobachter» recherchiert. Mit dem Trick werden die Produkte im Einkauf künstlich verteuert und können so teurer abgerechnet werden. Eine Augenlinse, die im Einkauf eigentlich 260 Franken kostet, verteuert sich so auf 640 Franken. Verrechnet wurden letztlich gar 1092 Franken, wie ein im Artikel transparent gemachte Fall der Berner Tagesklinik, einer Stadtberner  Gemeinschaftspraxis, zeigt. Gemäss dem Artikel wurde dies über Jahre so gemacht. Auch die zur Hirslanden-Gruppe gehörende Bieler Klinik Linde und die Hohmad-Klinik in Thun nutzten den Umweg über die Briefkastenfirma zur Gewinnsteigerung.
Nicht KVG-konform
«Wenn Ärzte solche Firmen benutzen, um den Rechnungsbetrag künstlich zu erhöhen, verletzen sie das im Krankenversicherungsgesetz verankerte Prinzip der Wirtschaftlichkeit», wird ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit im Artikel zitiert. Ärzte hätten die Pflicht, sich in ihren Leistungen so beschränken, dass das Interesse der Versicherten gewahrt bleibe. Andernfalls könnten die Versicherer sie sanktionieren. Die Möglichkeiten reichen von Bussen bis zum Entzug der Möglichkeit, über die Grundversicherung abzurechnen.
Die Ärzte der Tagesklinik Bern bestrieten gegenüber dem Beobachter die Vorwürfe. So erst auch die Hirslanden-Klinik, so der «Beobachter». Mit der Recherche konfrontiert teilte dies gemäss dem Artikel mit: «Gerne bestätigen wir Ihnen, dass die Klinik Linde in den vergangenen Jahren Intraokularlinsen der Marke Tecnis von Promed bezogen hat und noch bezieht. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir grundsätzlich keine inhaltlichen Auskünfte zu Verträgen mit einzelnen Partnern machen.» Auch das Thuner Hohmadspital sagt, dass man «teilweise» über die Briefkastenfirma eingekauft habe.
Gemäss den Krankenkassen operieren derzeit schweizweit rund zehn solcher Briefkastenfirmen. In einem Thurgauer Fall hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.
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