Unispital holt aus der Not der Pandemie zum internationalen Preis

Das Unispital Zürich wurde mit einem Logistik-Preis ausgezeichnet: Für ein Projekt, das auf Künstlicher Intelligenz bei der Lageroptimierung basiert.

, 4. Mai 2021 um 08:47
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Das Universitätsspital Zürich (USZ) erhält den internationalen Leipziger Innovationspreis für Krankenhauslogistik. Das UZS wird für ein Projekt geehrt, das Künstliche Intelligenz (KI) bei der Optimierung der Lagersortimente sowie bei der Beschaffung einsetzt, wie das USZ am Dienstag mitteilt. Der Preis gilt als «Auszeichnung für besonders fortschrittliche, praktisch erprobte Logistikprojekte».

Algorithmen erkennen Bedarfsmuster

Das Modell basiert auf selbstlernenden Algorithmen, die Bestelldaten der 140 Stationslager analysieren. Dabei wird eruiert, welche Artikel von welcher Station viel – und welche praktisch nie bestellt worden waren. Ein Cockpit liefert zudem Informationen, für wie lange der Vorrat noch reicht. Zudem werden auch Fallszenarien wie zum Beispiel die Verordnung einer Maskenpflicht simuliert.
Anhand von Kennzahlen berechnet die Software dann, welche Artikel der Einkauf bei den Bestellungen prioritär behandeln sollte. «Die so eruierten prioritären Artikel waren nicht immer die offensichtlichen», sagt Projektleiter Christian Schläpfer: «Wir hatten zum Beispiel immer genug Händedesinfektionsmittel. Knapp wurden aber schon bald die kleineren Standardgebinde und insbesondere die Handpumpen».

Optimierung sorgt für mehr Platz 

Dank der Platzeinsparung von bis zu 85 Prozent bei bedarfsschwachen, unkritischen Artikeln können die Bestände bei kritischen, schnelldrehenden Artikeln erhöht werden, wie das USZ schreibt. Die Optimierung eines dezentralen Lagers erfolge immer durch Mitarbeitende aus Pflege und Medizin zusammen mit Logistikern. Externes Know-How in den Bereichen Künstlicher Intelligenz (KI), Algorithmen und Data Science holte das USZ von einer externen Firma. 
Der Ansatz geht gemäss Unispital auf die «Not der Pandemie» zurück. Zur Bewältigung  legten die Supply-Chain-Management-Profis den Fokus darauf, die Prognosen in Bezug auf den Bedarf nach kritischen Artikeln und deren Verfügbarkeit zu verbessern. Dies führt dazu, Engpässe möglichst früh zu erkennen, steht in der Mitteilung weiter zu lesen. 

Pandemie zeigt die Bedeutung der Logistik

Für die Versorgung in einem Spital ist die Bereitstellung von kritischen Materialien wesentlich, um die Patienten bestmöglich behandeln zu können. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, wie rasch Engpässe in der Verfügbarkeit von Produkten entstehen können – etwa beim Schutzmaterial oder bei Test-Kits. 
Die Pandemie hat zudem die grosse Bedeutung von Einkauf und Logistik in der Krise vor Augen geführt.
Auch wenn der Ansatz aus der Not der Pandemie heraus entstand: Die künstliche Intelligenz werde über die Corona-Krise hinaus dazu beitragen, die logistischen Prozesse zu optimieren, hält das Zürcher Unispital fest. 
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