Umstrittener Arzt behandelt Parkinson und Alzheimer mit zweifelhafter Nadel-Therapie

Seine Titan-Mikroimplantate sollen Energieblockaden beseitigen und Nervenzellen regenerieren. Obwohl Fachleute vor der Behandlung warnen, praktiziert der Arzt Ulrich Werth weiter.

, 26. Februar 2020 um 15:57
image
  • gericht
  • alzheimer
  • parkinson
  • ärzte
«Behandlungen exklusiv nur auf Mallorca», wirbt der deutsche Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Ulrich Werth, im Internet. Er sei der Erfinder der «Ewigen-Nadel-Therapie» - und wer seine Therapie in Zweifel ziehe, beweise damit nur eines: dass er der Pharmaindustrie hörig sei.
Der «Kassensturz» wagte es trotzdem, seine Arztkünste zu kritisieren. In der jüngsten Sendung kam ein Ehepaar zu Wort, das nach einem Autounfall unter Schmerzen und Gedächtnisstörungen litt.

Teure Behandlung am Ohr ist laut Fachmeinung keine Akupunktur

Das Ehepaar liess sich von Ulrich Werth im spanischen Valencia behandeln. Dieser setzte in jedes Ohr hundert 1,2 Millimeter lange Titannadeln. Für die halbstündige Behandlung, inklusive Voruntersuchung und Nachkontrolle, hätten sie 18 000 Franken bezahlt.
Mit Akupunktur habe eine solche Behandlung nichts zu tun, sagte die Akupunkturspezialistin Claudia Witt in der Sendung. Die Professorin vom Institut für komplementäre und integrative Medizin des Universitätsspitals Zürich kritisierte Ulrich Werth harsch: «Er missbraucht das Wort Akupunktur. Wahrscheinlich, um seinem Verfahren mehr Anerkennung zu verleihen, und damit es nicht so unseriös wirkt, wie es wirklich ist.»

Keine Berufsbewilligung in Deutschland und in der Schweiz

Die Professorin warnt sogar ausdrücklich vor dieser Behandlung. Das Ohr sei sehr empfindlich. Ulrich Werth lässt sich durch solche Kritik allerdings nicht beirren. Er ist häufig Gast in Esoterik-Sendungen. Er behauptet, er könne Parkinson, Alzheimer und zwei Dutzend weitere Krankheiten heilen.
Gemäss «Kassensturz» darf er schon seit 2006 in Deutschland nicht mehr als Arzt praktizieren. Auch in der Schweiz hat er offenbar vergeblich versucht, Fuss zu fassen. Die St. Galler Gesundheitsbehörden verweigerten ihm die Berufsausübungsbewilligung.

Werth fühlt sich von Pharmaindustrie schikaniert

Gegenüber «Kassensturz» wollte Ulrich Werth keine Stellung nehmen. Doch auf seiner Website wehrt er sich gegen die Sendung: «Es ist nur ein Angriff von vielen durch die Medien und die Behörden, die seit 2002 gegen mich und meine Therapie durchgeführt werden», schreibt er dort. Der Preis für seine Behandlungen sei viel tiefer, als von den «Scheinpatienten» in der Sendung angegeben worden sei.
Er ist überzeugt, dass die Pharmaindustrie seine Therapie hintertreibe. Denn: Mit seiner Methode habe er der Parkinsonmittel herstellenden Industrie schon mindestens 6 Milliarden Euro an Verlust gebracht, behauptet er. Und er praktiziert unbeirrt weiter. Schliesslich wolle er seinen Patienten nicht die Möglichkeit nehmen, eine Therapie zu machen, die ihnen wirklich helfe.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Thierry Carrel: «Für Kranke ist Hoffnung zentral»

Der Herzchirurg findet, neben dem Skalpell sei die Hoffnung eines seiner wichtigsten Instrumente.

image

Vom Spital ins All: Auch eine Perspektive für Ärzte

Der Berner Mediziner Marco Sieber wird der zweite Schweizer Astronaut nach Claude Nicollier.

image

Bürgerspital Solothurn: Gerichtliche Einigung mit Direktorin

Die Kündigung war für Karin Bögli nicht nachvollziehbar. Nun einigte sie sich mit der SoH auf eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

image

Ein Walliser wird Chefarzt am Inselspital

Der Nachfolger von Klaus Siebenrock als Chefarzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie heisst Moritz Tannast.

image

In der Schweiz sind 1100 Ärzte mehr tätig

Die Arztzahlen in der Schweiz haben ein neues Rekord-Niveau erreicht: Es gibt nun 41'100 Berufstätige.

image

Der Erfinder des Ledermann-Implantats ist tot

Er war ein bekannter Implantologe, später auch Hotelier und Schriftsteller. Nun ist Philippe Daniel Ledermann 80-jährig gestorben.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.