Trotz Lockerungen wird alles besser

Die Pandemie ist am Abebben. Das zeigen nun mehrere aktuelle Statistiken.

, 13. Mai 2020, 06:58
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Die Corona-Fallzahlen sind am Sinken. Das ist unbestritten. Nur: Diese Zahl kann trügerisch sein. Denn unter Umständen lässt sich derzeit kaum jemand mehr testen. Dann wäre es nicht verwunderlich, dass auch die Zahl der positiven Tests zurückgeht.
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Diese Grafik zeigt die Zahlen der bestätigten Fälle. Die Kurve ist stark am Sinken. Ob auch weniger getestet wurde, zeigt die Statistik allerdings nicht. | Grafik: Anja Mühlemann, Quelle BAG
Deshalb lässt Medinside andere Zahlen berechnen: Nämlich das Verhältnis von positiven Tests zur gesamten Testzahl. Die Mathematikerin Anja Mühlemann von der Universität Bern kommt bei ihrer Berechnung derzeit auf eine Rate von 2,1 bis 3 Prozent positiver Tests. Das heisst: Pro 100 Tests fallen bloss noch 2 bis 3 positiv aus. Zum Vergleich: Zwei Wochen früher waren noch 4,5 Prozent der Tests positiv, also fast doppelt so viele.

Schweiz lässt beim Testen nicht nach

Die folgende Grafik zeigt, dass diese gute Tendenz nicht etwa dadurch zustande kommt, dass weniger häufig getestet wird. Die Testzahlen bleiben unabhängig von den sinkenen Fallzahlen hoch.
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Die Zahl der durchgeführten Tests bleibt hoch, wie diese Zahlen zeigen. | Grafik: Anja Mühlemann, Quelle BAG
Trotz der ersten Lockerungen am 29. April, sind auch die relativen Fallzahlen am Sinken - wenn auch etwas weniger sprunghaft als die absoluten Fallzahlen.
Auffällig ist aber nach wie vor der Unterschied an den Wochenenden, die durch die blauen Balken dargestellt sind. Die obere Grafik zeigt, dass am Samstag und Sonntag weniger getestet wird als an den Werktagen.

Wochenend-Tests sind häufiger positiv

Die untere Grafik mit den relativen Werten zeigt hingegen: Der Anteil der positiven Tests ist am Wochenende jeweils höher als an den Werktagen. Jene Tests, die am Wochenende vorgenommen werden, sind also häufiger positiv.
Eine Erklärung dafür könnte sein, dass am Wochenende nur dringende Verdachtsfälle getestet würden, sagt Anja Mühlemann. Dieser Effekt ist jedoch längst nicht mehr so gross, wie Ende März. Damals fiel etwa ein Drittel der Wochenend-Tests positiv aus.
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Der Verlauf der relativen Zahl der Corona-Fälle zeigt, dass der Anteil positiver Tests trotz der ersten Lockerungen Ende April weiter gesunken ist. | Grafik: Anja Mühlemann, Quelle BAG
Erfreulich ist auch die Entwicklung bei der so genannten «Übersterblichkeit». Die Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, dass auch ältere Menschen derzeit nicht häufiger sterben, als auch in normalen Zeiten zu erwarten ist.

Nun liegt die Zahl der Todesfälle sogar im grünen Bereich

Die wöchentlich erhobenen Sterbezahlen liegen in der grünen Bandbreite. Noch vor vier Wochen erreichten die Todesfallzahlen wegen Covid-19 bei den Über-65-Jährigen einen traurigen Rekordwert.
Die Sterblichkeitszahlen sagen allerdings noch nichts darüber aus, wie sich die Lockerungen Ende April auswirken. Denn von einer Neuinfektion bis zum Tod liegt eine Spanne von mindestens zehn Tagen.

Etwas mehr Todesfälle in Zürich und der Nordwestschweiz

Die aufgeschlüsselten Zahlen des BFS zeigen ausserdem, dass das Tessin und die Genferseeregion stark rückläufige Zahlen haben. Hingegen sind in der Nordwestschweiz und in Zürich wieder etwas mehr Über-65-Jährige gestorben als in der Vorwoche. 
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Die Grafik zeigt: Sowohl bei den Über-65-Jährigen (oben) als auch bei den Unter-65-Jährigen (unten) ist die Anzahl der wöchentlichen Todesfälle wieder im normal zu erwartenden Bereich (grüne Linien). | Statistik: BFS

Nun wollen auch Ärzte wieder etwas verdienen

Angesichts des starken Rückgangs der Infektionen wollen nun auch Ärztinnen und Ärzte wieder mehr Patienten behandeln. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH kritisiert: «Die konsequente Einhaltung der aktuellen Schutzmassnahmen bedingt, dass Ärztinnen und Ärzte räumliche und zeitliche Distanz zwischen Patienten schaffen.»
Das führe zu einer künstlichen Verknappung von Abklärungen, Behandlungen und Beratungen um rund 30 Prozent, rechnet die FMH vor. Es sei deshalb nun an der Zeit, die medizinische Versorgung stärker unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit und der sogenannten «Preparedness» zu betrachten.
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