Telemedizin «Soignez-moi» wirft das Handtuch

Knall auf Fall hat die Neuenegger Telemedizin-Anbieterin «Soignez-moi» heute Morgen ihr Angebot eingestellt. Der Grund: Zu wenig Kunden.

, 1. Juni 2022, 08:53
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Das Telemedizin-Angebot «Soignez-moi» gibt es nicht mehr: Die Betreiber haben es heute eingestellt. In den vergangenen gut zwei Jahren hat «Soignez-moi» laut eigenen Angaben 15'000 Patienten betreut. 

Maximal 59 Franken pro Konsultation

Das Angebot lautete: «Konsultieren Sie einen unserer Online-Ärzte ohne Wartezeit für maximal 59 Franken und erhalten Sie ein Rezept, das von der Grundversicherung der Krankenkasse erstattet wird.»
Nach dem Ausfüllen eines medizinischen Fragebogens wurden die Patienten innerhalb einer Stunde von einem Arzt zurückgerufen. Die Plattform arbeitete mit 180 Partnerapotheken in der Schweiz zusammen. Diese konnten zusätzliche Untersuchungen durchführen.

Hohe Zufriedenheit, aber zu wenig Kunden

Auf Deutsch bot das Unternehmen seine Dienste anfänglich unter «pflegemi.ch», später dann unter «drnow.ch» an.
Die Zufriedenheitsrate sei bei über 90 Prozent gelegen, sagen die Betreiber, der Neuenegger Firma, Romain Boichat, Daniel Fishman und Carole Matzinger. Es sei ihnen aber nicht gelungen, ausreichend bekannt zu werden. Zu Beginn beschäftigte das Unternehmen 19 Ärztinnen und Ärzte. Zuletzt waren es nur noch deren 11.

Noch ein Auftrag vom Bund bis Ende Jahr

«Soignez-moi» wird noch bis Ende Jahr weiter existieren. Denn die Firma hat vom Bund rund 3,8 Millionen Franken erhalten, damit sie eine Plattform für die Registrierung von Impfwilligen betreibt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stellt den Kantonen die Plattform aber nur noch bis Ende Jahr zur Verfügung. Danach müssen die Kantone selber dafür sorgen.
Auch das Spitalzentrum Biel (SZB) ist an «Soignez-moi» beteiligt. Das Spital kaufte ein Aktienpaket von fünf Prozent, das entspricht einem Wert von 25'000 Franken.
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