«Teilzeitarbeit ist unser grosses Thema»

Für den Direktor des Bieler Spitalzentrums ist klar: Die Vereinbarkeit von Teilzeit und Karriere ist ein Schlüsselthema für den Fachkräftemangel.

, 13. August 2020 um 09:13
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Spitäler müssen sich von Grund auf neu organisieren und sich dem Bedürfnis ihrer Mitarbeitenden nach Teilzeitarbeit anpassen. Dieser Meinung ist Kristian Schneider, Spitaldirektor im Spitalzentrum Biel. «Die Vereinbarkeit von Teilzeitarbeit und Karriere ist ganz sicher ein Schlüsselthema für die Frage, ob wir in Zukunft genügend und vor allem die richtigen Fachkräfte finden, um unsere Leistungen erbringen zu können», wird er in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der «Schweizerischen Ärztezeitung» zitiert. Es sei nicht die Spitalliste, die darüber entscheiden, welche Leistungen von einer Institution erbracht würden, sondern die benötigten Fachkräfte.

Auch künftige Arbeitnehmende wollen das

Demzufolge stelle sich unweigerlich die Frage nach den Arbeitszeitmodellen, so Schneider. Innerhalb des Spitalbetriebs betreffe den Wunsch nach Teilzeit alle Berufsgruppen. Der Spitaldirektor stellt einen klaren Trend auch unter den Ärztinnen und Ärzte fest. Er ist zudem überzeugt, das im Spital der Zukunft immer mehr leitende Stellen im Teilzeitpensum ausgeübt werden können.
Auch die Genderfrage spielt laut dem ursprünglich ausgebildeten Pflegefachmann kaum mehr eine Rolle: «Sowohl Frauen als auch Männer streben im Spital ein Berufsleben an, das ohne Dauerstress ist und ein wirkliches Familienleben zulässt», sagt er weiter. Für das Spitalzentrum Biel ist Teilzeitarbeit «unser grosses Thema», sagt Schneider, der früher als Pflegeleiter Innere Medizin am Unispital Basel (USB) und als Direktor am Hôpital du Jura in Delémont arbeitete.

Kleinere Spitäler nehmen «Vorreiterrolle» wahr

Es bleibe anderseits aber auch unbestritten, dass es in einem Spital Positionen gebe, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Für ihn stellt sich einfach die Frage, ob die Institution eine bestimmte Funktion zwingend auf eine Person beziehe oder deren Aufgaben allenfalls auf mehrere Personen aufgeteilt werden könnten. Und ob es überhaupt eine 100-Prozent-Arbeitskraft für eine bestimmte Position brauche? Das Spitalzentrum Biel hat etwa die Ausbildungsstellen auf mehrere Köpfe verteilt.
Für den 49-jährigen Spitaldirektor sind es heute meist die kleineren Spitäler, die in dieser Entwicklung eine «Vorreiterrolle» wahrnehmen und eine «Karriereplanung trotz Teilzeitpensen» ermöglichten. Gleichzeitig relativiert er die eher zögerliche Entwicklung von Teilzeitarbeit in universitären Spitälern. Dies, weil unter anderem Unikliniken riesige Ausbildungszentren seien und die zeitintensive Forschung hinzu komme. Vielleicht müssten sich die Unis aber auch mal überlegen, einen 100-Prozent-Lehrstuhl auf zwei Professuren zu verteilen, so Schneider.
Quelle/Mehr:
  • «Teilzeit und Karriere – Die Ärzteschaft fordert die Spitäler», in: «Schweizerische Ärztezeitung», 12.08.2020.
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