Tarmed könnte Prämien um 4 Prozent verteuern

Nach Einschätzung des Kassenverbandes Santésuisse schafft der neue Tarmed jährlich bis zu eine Milliarde Franken Mehrkosten.

, 21. März 2016, 08:45
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Laut Santésuisse ist der neue Ärztetarif Tarmed eine teure Fehlkonstruktion. «Santésuisse rechnet unter Umständen mit einem Anstieg der Kosten von rund einer Milliarde Franken». Dies sagte der Kassenverband der Zeitung «Schweiz am Sonntag» (Print).
Für die Prämienzahler heisst das: Eine Milliarde Mehrkosten entspricht umgerechnet knapp 4 zusätzlichen Prämienprozenten – jährlich wiederkehrend.

«Dynamische Kostenkontrolle» sei umstritten

SP-Gesundheitspolitiker und Nationalrat Jean-François Steiert sagte der Zeitung: «Ich bedaure es sehr, dass Curafutura aus ideologischen Gründen einen Tarif durchzieht, der die Versicherten letztlich eine Milliarde kostet.»
Ignazio Cassis sieht das anders: «Statische Kostenneutralität ist da, umstritten ist die dynamische», sagte der FDP-Nationalrat und Präsident des Kassenverbands Curafutura: «Es braucht einen Mechanismus, der die Tarife dynamisch korrigiert, wenn das neue Monitoring zeigt, dass die Kosten in bestimmten Bereichen zu stark ansteigen.» Da sei man sich noch nicht einig.

Über 5'000 Rückmeldungen von Ärzten

Die Arbeiten am neuen Tarmed befinden sich derzeit in der Schlussphase. Bis Ende Juni müssen die Tarifpartner ihr Werk dem Bundesrat als Genehmigungsbehörde abliefern. Steht der Tarifvertrag nicht mit dem Gesetz und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit in Einklang, kann der Bundesrat den Tarif selbst anpassen. 
«Einiges deutet darauf hin, dass es so kommt», schreibt die «Schweiz am Sonntag» weiter.
Ende April entscheidet zudem die Ärztekammer, ob sie der ambulanten Tarifstruktur zustimmt. Dann ist eine Urabstimmung unter allen FMH-Mitgliedern geplant. «Der Ausgang ist für mich offen», sagt FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel der Zeitung. Die Ärzte seien sehr kritisch. In der vierwöchigen internen Vernehmlassung gab es Stoffel zufolge 5’700 Rückmeldungen. 
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