Tardoc: Auch 1'000 Spitalärzte für rasche Einführung

Chefärzte und Leitende Ärztinnen und Ärzte aus Spitälern stellen sich hinter den neuen ambulanten Arzttarif. Der Bundesrat müsse Tardoc nun endlich genehmigen.

, 2. Juni 2022 um 08:31
image
  • spital
  • ärzte
  • tardoc
Vor zwei Wochen hätte Gesundheitsminister Alain Berset dem neuen ambulanten Tarif Tardoc im Bundesrat offenbar den Todesstoss versetzen wollen. Kritikpunkt war unter anderem die ablehnende Haltung der Spitäler gegenüber dem neuen Einzelleistungstarif. Ausgearbeitet wurde Tardoc intensiv vom Ärzteverband FMH und dem Krankenkassenverband Curafutura. Der Spitalverband Hplus hat den Verhandlungstisch vor Jahren verlassen und entwickelt mit dem anderen Krankenkassenverband Santésuisse Pauschalen. 
Doch kurz vor der Bundesratsitzung am 18. Mai 2022 hat sich Hplus-Direktorin Anne-Geneviève Büttikofer dem Vernehmen nach mit einem Brief an den Bundesrat gewendet. Darin stand sinngemäss, dass die Tarifpartner auf eine Genehmigung des Tardoc dringend angewiesen wären. Eine Ablehnung würde die Weiterentwicklung der Tarifstrukturen im ambulanten Bereich gefährden. Dieses Schreiben hat zu einer anderen Ausgangslage geführt, weil nun auch der Spitalverband für die Einführung plädiert. 

Einführung per Anfang 2024

Nun leisten auch die Kaderärzte der Spitäler Schützenhilfe im Streit um den neuen Arzttarif. Der Verein der Leitenden Spitalärzte der Schweiz (VLSS) spricht sich gemeinsam mit dem Berufsverband der Ärzte FMH für die Einführung von Tardoc per Anfang 2024 aus. Dies geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Organisationen hervor.
Der VLSS ist die Berufsorganisation der Kaderärzteschaft in der Schweiz. Der Verein vertritt die standespolitischen Interessen von rund 1'000 in der Schweiz tätigen Chefärzten und Chefärztinnen sowie Leitenden Spitalärztinnen und Spitalärzten.

«Falsche Anreize werden mit Tardoc beseitigt»

Tardoc sei zeitgemäss und realitätsnah, steht in der Mitteilung zu lesen. Er sei sachgerecht und transparent für ambulant ärztliche Leistungen und müsse endlich die veraltete Tarifstruktur ablösen. Mit der Einführung könnten falsche Anreize, die durch Tarmed entstanden seien, beseitigt und gleichzeitig die medizinische Grundversorgung aufgewertet werden. Davon sind die 43'000 Ärztinnen und Ärzte der FMH und die rund 1'000 Mitglieder des Vereins der Leitenden Spitalärzte überzeugt.
Der neue Arzttarif erfülle zudem die gesetzlichen Anforderungen, steht in der Mitteilung weiter zu lesen. Er bilde die ärztlichen Leistungen im ambulant ärztlichen Bereich umfassend, vollständig und dem «aktuellen Stand der Wissenschaft» entsprechend ab. Basierend auf einer transparenten Datengrundlage seien die wesentlichen Parameter offengelegt und definiert. 
Der Tarif könne darüber hinaus jährlich aktualisiert und weiterentwickelt werden. Die zwei Organisationen äussern sich in der Mitteilung auch zu ambulanten Pauschalen: «Sobald dann auch genehmigte ambulante Pauschalen vorliegen, können diese sukzessive Einzelleistungen des Tardoc ersetzen.» Der Krankenkassenverband Santésuisse pocht weiterhin auf die zeitgleiche Einführung mit ambulanten Pauschalen. 

Kostenneutrale Einführung gewährleistet

Ein Kritikpunkt am Tardoc sind auch die angeblichen Kostensteigerungen, wie Santésuisse stets beteuert. Doch eine kostenneutrale Einführung sei durch ein umfassendes Kostenneutralitätskonzept gewährleistet, heisst es. Dadurch entständen keine Mehrkosten. Andernfalls hätte die Mehrheit der Versicherer diesem Tarif wohl nie zugestimmt.
Die FMH und der VLSS sind schliesslich überzeugt: «Es ist höchste Zeit zu handeln und die veraltete Tarifstruktur zu ersetzen». Es liege nun in der Hand des Bundesrats, den Tardoc endlich zu genehmigen. Die neue Tarifstruktur liegt seit fast drei Jahren beim Bundesrat zur Genehmigung. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.

image

Neue Direktorin für das Spital Nidwalden

Ursina Pajarola ist ab Oktober die Direktorin des Spitals Nidwalden. Sie leitet derzeit noch eine Altersresidenz.

image

Deshalb bauten die Stararchitekten das neue Kispi

Seid ihr noch bei Trost, fragte sich ein SVP-Politiker beim Anblick des neuen Kinderspitals Zürich. Es gibt aber Gründe für den exklusiven Bau.

image

Sogar das Spital Schwyz schreibt nun rote Zahlen

Es ist das erste Mal seit acht Jahren: Das bisher rentable Spital Schwyz hat 2023 Verlust gemacht.

image

Spital Wetzikon: Petition für «euses Spital»

Im Zürcher Oberland engagieren sich viele für ihr Spital Wetzikon. Innert 24 Stunden kamen über 15'000 Unterschriften zusammen.

image

Die Chefärztinnen organisieren sich

Eine neue Vereinigung soll eine wichtige Stimme innerhalb und ausserhalb der Ärzteschaft werden.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.