Supermikrochirurgie: Erfolg in Zürich

Am USZ wurde erstmals in der Schweiz einer Patientin ein Lymphknotenpaket vom Hals in die Leiste verlegt.

, 24. Juni 2015, 08:11
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  • universitätsspital zürich
  • forschung
Bei der Supermikrochirurgie können Strukturen mit einem Durchmesser unter 0,5 Millimeter zusammengenäht werden. Die Ärzte arbeiten mit einem hoch auflösenden Fluoreszenzmikroskop, das den Operationsbereich bis zu 40mal vergrössert darstellt. Dieses wird mit einem steuerbaren «Arm» über die betroffene Stelle bewegt.
Kurz vor dem Eingriff spritzen die Ärzte eine Flüssigkeit, welches die Blut- oder Lymphgefässe unter dem Mikroskop zum Leuchten bringt und so die Filigranarbeit erleichtert.
Mit der innovativen Technik führten jetzt Nicole Lindenblatt und Farid Rezaeian vom Universitätsspital Zürich USZ zusammen mit Yves Harder vom Ospedale Regionale di Lugano einen Eingriff durch, der noch nie zuvor in der Schweiz vorgenommen wurde: Die Chirurgen behandelten eine Patientin, die unter einem chronischen Lymphödem litt. 

Konservative Methoden wären unwirksam

Lindenblatt, Rezaeian und Harder entnahmen der Patientin ein Lymphknotenpaket in der Halsregion und verpflanzten es in die Leistengegend. Dort schlossen sie die versorgenden Blutgefässe vom Lappen mikrochirurgisch an die Blutgefässe im umliegenden Gewebe an, so dass die Lymphknoten nach dem Einwachsen ihre Drainage-Funktion übernehmen können.
«Mit dieser Methode behandeln wir Lymphödeme, die mit konservativen Methoden nicht zu behandeln sind», sagt Professorin Lindenblatt. Die Patienten würden davon profitieren, dass die Lymphdrainagen und Kompressionstherapien reduziert werden können und die Schmerzen vermindert werden.
Am USZ wird die Technik neu auch zur Behandlung von angesammelter Flüssigkeit nach der Ausräumung von Lymphknoten und zur Reparatur von durchtrennen Lymphgefässen angewendet.
Grundsätzlich erhoffen sich die Fachleute von der Supermikrochirurgie, dass durch die bessere Verbindung der Lymphgefässe die Erfolgsaussichten  beim Verpflanzen von Gewebe steigen – aber auch beim Annähen von abgetrennten Gliedmassen, etwa einer Fingerkuppe.

  • Zur Mitteilung des Universitätsspitals Zürich

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