Studie: Fast 80 Prozent der Herzinfarkte bleiben unentdeckt

Oder positiv formuliert: Neue Methoden erleichtern es, stumme Herzinfarkte und die entsprechenden Vernarbungen zu entdecken.

, 9. November 2015, 08:23
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  • forschung
  • kardiologie
Es gibt vielleicht mehr «stumme Herzinfarkte» als bislang angenommen: In vier von fünf Fällen, so deuten neue Zahlen aus den USA an, werden sie vielleicht als Verdauungsbeschwerden oder Muskelprobleme gewertet – dabei hat man es mit kleineren Herzinfarkten zu tun.
Ein Team der National Institutes of Health in Bethesda testete Menschen zwischen 45 und 84, die nach Klagen über Herzprobleme klinischen Tests und EKG's unterzogen worden waren. Nach zehn Jahren führten sie auch ein kardiales MRI durch, um eventuell unentdeckte Infarkte zu finden. 
Das Ergebnis: Von den insgesamt 1'840 Probanden hatten in diesem Zeitraum 146 einen Herzanfall erlitten. Aber dieser war in 114 Fällen übersehen worden, von Ärzten wie Patienten – also zu 78 Prozent. Mittels MRI war man nun in die Lage, auch kleinste Vernarbungen infolge von früheren Infarkten zu erkennen.

David Bluemke, Evrim B. Turkbey, Marcelo S. Nacif, Mengye Guo et. al.: «Prevalence and Correlates of Myocardial Scar in a US Cohort», in: JAMA - «The Journal of the American Medical Association», November 2015.

Die Autoren um den NIH-Kardiologen David Bluemke leiten noch keine expliziten Empfehlungen ab aus ihren Resultaten: «Weitere Untersuchungen sind nötig, um die klinischen Konsequenzen dieser unentdeckten Narben besser zu verstehen», schreiben sie im Schlusswort.
Aber die Gefahr besteht, dass das Narbengewebe, das bei stillen Infarkten entsteht, selber zum Risikofaktor wird – indem es etwa die tägliche Herzbelastung erhöht und der Patient somit zu einem späteren Zeitpunkt eher Opfer eines ernsthafteren Herzversagens wird.
Am Ende legen die Ergebnisse zumindest eines nahe: nämlich dass die klassische Elektrokardiogramm-Methode verstärkt durch den Einsatz eines Kardio-MRI ergänzt beziehungsweise ersetzt wird.

Google spannt mit Kardiologen zusammen

Die American Heart Association AHA und Google starten ein Projekt: Gemeinsam wollen die beiden Parteien 50 Millionen Dollar investieren, verteilt über fünf Jahre. Die Summe soll in bislang unkonventionelle Forschungsansätze fliessen, welche im Kampf gegen Herzkrankheit geprüft werden.
Anfang nächsten Jahres wird ein Team von AHA und Google einen Projektleiter wählen. Das könne ein Kardiologe sein, müsse aber nicht. Aufgabe dieses Leiters ist es, ein Programm zu erarbeiten und eine interdisziplinäres Forschungsteam zusammenzustellen – wobei er auch auf das Potential von Google und AHA zurückgreifen kann, etwa im Bereich klinische Forschung, Software-Engineering oder Datenanalyse.

  • Zur Mitteilung von AHA und Google Life Sciences

Bild: Neal Fowler, Captured Your Heart, Flickr CC
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