Spitex-Dienste als Feld fürs Sponsoring

Mehrere Unternehmer kamen jüngst auf die Idee, lokalen Spitex-Organisationen kostenlos Elektroautos zur Verfügung zu stellen. Die Spitex-Organisationen profitieren von den Fahrzeugen – die Sponsoren vom Image des Sympathieträgers Spitex

, 12. Mai 2017, 13:48
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«Unsere Mitarbeiterinnen sind begeistert», sagt Patricia Brenn, Geschäftsführerin der Bündner Spitex Imboden mit Sitz in Bonaduz. «Das neue Elektroauto fährt nahezu geräuschfrei.» Die Spitex Imboden bezahlt für das neue Fahrzeug nur gerade die Versicherungen und den Strom. Denn der Unternehmer Claudio Casanova, Inhaber der Garage CC-Nova, stellt der Spitex-Organisation den Mitsubishi ein Jahr lang kostenlos zur Verfügung.
Das Fahrzeug ist als Spitex-Auto mit den grossen Logos an den Türen gut erkennbar. Ein kleineres Logo am Heck des Fahrzeugs weist auf das Sponsoring-Engagement hin.
Brenn setzt das Auto vor allem für die Mitarbeiterinnen der Hauswirtschaft ein, die bislang im eigenen Fahrzeug unterwegs waren. «Unsere Mitarbeiterinnen legen im Jahr rund 30'000 Kilometer mit eigenen Fahrzeugen zurück», sagt Brenn: «Mit diesem Auto wollen wir den Anteil reduzieren.» Die Flotte der Spitex Imboden umfasst sechs 4x4-Fahrzeuge und neu das Elektroauto.
Partnerschaft als Werbung, die sich rechnet
Warum unterstützt Casanova die lokale Spitex-Organisation? «Für uns ist das gute Werbung, die sich rechnet», erklärt er. Durch sein Engagement könne er aufzeigen, wozu Elektrofahrzeuge heute fähig seien. Ausserdem passe das Auto zur Spitex: «Es ist modern, zukunftsgerichtet und nachhaltig – genau wie die Spitex auch.»
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Dieser Beitrag erschien zuerst im Spitex-Report 

In Gossau im Kanton St. Gallen, 70 Kilometer nördlich von Bonaduz, kam Unternehmer Albert Lehmann auf die gleiche Idee: Auch er stellt der lokalen Spitex-Organisation kostenlos ein Elektroauto zur Verfügung, für zwei Jahre. Vom zusätzlichen Fahrzeug profitiert die Spitex Gossau. Die Fahrzeugübergabe wurde von den «Gossauer Nachrichten» begleitet, und ein ein Facebook-Beitrag der Firma Lehmann weist auf das Engagement hin. Das Unternehmen konzipiert, plant und baut elektrotechnische Anlagen, unter anderem Stromtankstellen.
«Wir haben uns gut überlegt, ob wir das Sponsoring eingehen wollen», sagt Johann C. Krapf, Präsident der Spitex Gossau. «Wir wollen und müssen unabhängig bleiben.»

«Die Spitex ist ein Sympathieträger»

Lehmann will Elektrofahrzeuge fördern und sieht in seinem Engagement die Möglichkeit, dies zu tun. «Wir haben sehr viel positive Resonanz. Die Spitex ist ein Sympathieträger», sagt er. Krapf weist darauf hin, dass die Spitex Gossau auch noch anders unterstützt wird. «Mit dem jährlichen Aufruf erhalten wir rund 100'000 Franken an Mitgliederbeiträgen und Spenden.»
Die Website-Analyse von 17 Deutschschweizer kantonalen Spitex-Verbände zeigt, dass nur gerade vier Sponsoring oder Partnerschaften publizieren. «Wir überarbeiten derzeit die Kommunikationsstrategie des kantonalen Spitex Verbands und werden dabei den Bereich Sponsoring miteinbeziehen», sagt Véronique Tischauser-Ducrot, Verantwortliche für das Ressort Kommunikation beim Spitex Verband Kanton Zürich.

Geld, Events, Knowhow

Mit der Zürcher Kantonalbank (ZKB) habe der Spitex-Verband eine verlässliche, langjährige Partnerin. Dieses Jahr wurde das Engagement um drei weitere Jahre verlängert. «In unsere Überlegungen fliessen Werte ein, die der Spitex Verband Schweiz vorgibt. Gleichzeitig müssen wir unsere Eigenständigkeit finden und einen Nutzen für die Zürcher Basisorganisationen stiften», erklärt Tischhauser-Ducrot ihre anspruchsvolle Aufgabe.
Die ZKB unterstützt den Zürcher Verband mit einem finanziellen Betrag, bei der Durchführung von Lehrlingsevents, aber auch mit Knowhow und gezielter Kommunikation im Rahmen des 25-Jahr-Jubiläums. Die Bank sieht ihr Spitex-Engagement vor dem Hintergrund des Leistungsauftrags. Sichtbar wird die Unterstützung durch Präsenz auf der Spitex-Website sowie durch einen Trailer, der ab Sommer in den Zürcher Kinos zu sehen sein wird.

Sponsoring und Kooperationen auf nationaler Ebene

Sponsoringpartner sind wichtig für den Spitex Verband Schweiz. Insbesondere deshalb, weil er für seine Organisationen Sonderkonditionen aushandelt. «Wir sind laufend im Gespräch mit potenziellen Partnern», sagt Francesca Heiniger, die Kommunikationschefin des Dachverbandes. Die Nonprofit-Spitex habe eine starke Marke und ein hervorragendes Image.
«Die Spitex belegt den ersten Platz im schweizerischen GemeinwohlAtlas 2015», hält Heiniger fest. Entsprechend erhielten Sponsoring-Partner als Gegenleistung einen nachhaltig wirksamen Imagetransfer und Imagegewinn für deren «Corporate Social Responsibility»- Programme.

«Wir bieten reellen Gegenwert»

Der Dachverband hat eine weitere Funktion: Er bündelt die Interessen der Kantonalverbände und Basisorganisationen und schliesst mit nationalen Partnern Rahmenverträge ab. Kantonalverbände und Basisorganisationen können von besseren Konditionen profitieren. Partner bekommen Präsenz auf der Website und in ausgewählten Spitex-Publikationen. Schliesslich haben Unternehmen auch noch die Möglichkeit, gegen Entgelt für die eigene Dienstleistung auf der Spitex-Schweiz-Website zu werben.
Auch der Verband der privaten Spitex-Organisationen bietet Unternehmen die Möglichkeit, im Spitex-Umfeld Werbung zu schalten. «Wir bieten interessierten Unternehmen unterschiedliche Packages an», sagt der Geschäftsführer der Association Spitex privée Suisse ASPS, Marcel Durst. «Uns geht es nicht einfach um Unterstützung: Wir bieten einen reellen Gegenwert», beschreibt Durst die Strategie seines Verbandes. Auch der ASPS verhandelt für seine Mitglieder vorteilhafte Konditionen mit Partnern. Dies sei übliche Verbandsarbeit. 
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