Test-Trägodie von Rennes: Denkbar in der Schweiz?

Auch in der Schweiz ist es bei klinischen Versuchen mit einem neuen Medikament bereits zu schweren Zwischenfällen gekommen. Das sagt der Vizepräsident von Swissethics.

, 27. Januar 2016, 09:30
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Beim Phase-1-Test für ein neues Schmerzmittel in Frankreich verstarb Mitte Januar eine Testperson. Andere Probanden sind noch hospitalisiert und müssen mit schweren und bleibenden neurologischen Schäden rechnen.
Patrick Francioli, Vizepräsident der Schweizerische Ethikkommissionen für die Forschung am Menschen (Swissethics) hat nun zum Bial-Fall Stellung genommen: Er hält eine solche Trägodie auch für die Schweiz denkbar. «Wir sind nie total frei von solchen schlechten Überraschungen», sagt Francioli in einem Interview mit der französischsprachigen Zeitung «Le Matin».

Etwa zwei Fälle in der Romandie 

Eine klinische Studie enthalte immer ein gewisses Risiko. Ihm und seinem Team obliegt es in den Kantonen Waadt, Neuenburg, Freiburg und Wallis, die Tests zu erlauben oder eben zu verbieten – was relativ selten vorkomme. 
Zum Beispiel können immer schwerwiegende Nebenwirkungen wie Allergien, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Halluzinationen oder Auswirkungen auf den Blutdruck entstehen. Es sei jedoch extrem selten. Er nennt eine Zahl von null bis zwei Fällen pro Jahr in der Romandie. 

Jährlich über 300 Tests jährlich 

Die Schweiz sei eines der am weitesten fortgeschrittenen Länder bezüglich Kontrollen und Rahmenbedingungen, sagte der Medizinprofessor, der an der Spitze der Waadtländer Kommission für Forschungsethik steht.
Pro Jahr finden etwa 300 bis 350 solche Phase-1-Tests im Land statt. Die Teilnehmer – meistens Studierende – erhalten zwischen ein paar Hundert Franken bis zu 3’000 Franken, je nach Studie und Aufwand.

Selber schon teilgenommen

Francioli kann sich vorstellen, dass es nun zu einem Rückgang von Probanden kommt. Er selber habe auch schon mehrmals an solchen Studien teilgenommen – so für ein Medikament, das auf die Blutplättchen wirkt, um vaskuläre Probleme zu verringern. 
Dabei musste sich der Professor der Uni Lausanne regelmässig Bluttests unterziehen und Fragebögen beantworten. Eine Entschädigung war dabei nicht nötig, weil er direkt vor Ort war. 
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