Schweizer Touristen importieren «Super-Keime»

Drei von vier Reisenden, die von Indien in die Schweiz zurückkehren, sind mit multiresistenten Keimen infiziert. Nun schlagen Wissenschaftler der Universität Bern Alarm.

, 19. Juli 2016, 08:30
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Mikrobiologen am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern haben erstmals die Bakterienpopulation im Darm von Reisenden untersucht, die von Indien in die Schweiz zurückkehrten. Sie fanden heraus, dass 76 Prozent der rückkehrenden Touristen mit multiresistenten Bakterienstämmen besiedelt waren. 
«Noch schwerwiegender ist, dass 11 Prozent der Reisenden in ihren Stuhlproben Colistin-resistente Stämme hatten, darunter auch solche, die das neue mcr-1-Gen enthielten», sagt Prof. Andrea Endimiani, Hauptautor der Studie. Das Gen ermöglicht es den Erregern, auch gegen Colistin resistent zu werden. Colistin ist das einzige Antibiotikum, das gegen Infektionen, die durch multiresistente Keime verursacht werden, noch wirksam ist. 
Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Journal «Antimicrobial Agents and Chemotherapy» publiziert.

38 Personen untersucht

Endimiani und sein Team untersuchten Stuhlproben von 38 Personen aus der Schweiz vor und nach einer Indien-Reise im Jahr 2015. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 18 Tage. Nach ihrer Rückkehr aus Indien litten 39 Prozent an Reise-Durchfall und zusätzlichen Symptomen. Antibiotika wurden keine eingenommen. 
«Die Ansteckung mit Colistin-resistenten Bakterien auf Reisen ist ein Phänomen, das wir sorgfältig beobachten müssen, um die Ausbreitung von solch unbehandelbaren Super-Keimen in der Schweiz zu verhindern», sagt Endimiani. Er empfiehlt, rasch spezifische und engmaschige Monitoringprogramme einzuführen, um unerwartete Krankheitsausbrüche wegen Darmbakterien mit dem mcr-1-Gen zu verhindern.
Laut Universität Bern sterben schätzungsweise pro Jahr weltweit 700'000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen wirkungslos geworden sind. Einzig mit dem Antibiotikum Colistin konnten solche Infektionen bislang noch behandelt werden.

  • Zur Medienmitteilung der Universität Bern

Studie:
Bernasconi OJ, Kuenzli E, Pires J, Tinguely R, Carattoli A, Hatz C, Perreten V, Endimiani A: «Travellers Can Import Colistin-Resistant Enterobacteriaceae Including Those Possessing the Plasmid-Medicated mcr-1 Gene» - in: «Antimicrobial Agents and Chemotherapy», Juni 2016
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