Pflege: Zürich will mehr Ausbildung erzwingen

Die Heime und die Spitex sollen in den nächsten fünf Jahren rund 1300 neue Stellen im Pflegebereich schaffen.

, 3. Februar 2017, 09:58
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Die Zürcher Kantonsregierung will Pflege- und Altersheime wie auch die Spitex stärker dazu verpflichten, genügend Personal auszubilden. Die Spitäler kennen bereits eine Ausbildungspflicht für Pflegeberufe – nun soll das Prinzip ausgedehnt werden.
Wie die «Neue Zürcher Zeitung» auf Basis des Vernehmlassungs-Dossiers meldet, bildeten die kantonalen Heime im Jahr 2015 nicht einmal einen Fünftel des Bedarfs an diplomierten Pflegefachleuten aus. Bei der Spitex waren es sogar nur 6 Prozent. Bei den Fachangestellten Gesundheit und Betreuung lag die Quote mit 70 Prozent (Heime) beziehungsweise 17 Prozent (Spitex) etwas höher.

Das Bonus-Malus-System

Die Gesundheitsdirektion plant nun eine schrittweise Steigerung. So sollen die zürcherischen Heime den Personalbedarf an diplomierten Pflegekräften bis 2022 zu 60 Prozent decken. Bei den FaGe lautet das Ziel 100 Prozent. Bei der Spitex sind die Hürden tiefer angesetzt.
Insgesamt müssen Heime und Spitex bis 2022 rund 1300 neue Stellen im Pflegebereich schaffen. Wer seine Quote nicht erreicht, muss in einen Topf einzahlen, der an jene ausgeschüttet wird, die die Ausbildungsziele übertreffen. Die Gesundheitsdirektion erwartet, dass ein Ausbildungsplatz für einen diplomierten Pfleger jährlich 7'200 Franken kostet. Die Ersatzabgabe soll nun höher sein als diese Summe: Wer den vorgeschriebenen Platz nicht bietet, bezahlt 8'640 Franken in den Topf, so die NZZ. 
Bei den Fachangestellten Gesundheit betragen die Kosten 1'700 Franken pro Jahr und der Malus 2'550 Franken.

Die Erfahrungen im Aargau

Der Kanton Aargau kennt dieses Modell bereits, und letzten Sommer legte das Gesundheitsdepartement in Aarau einen Bericht über die Erfahrungen vor. Danach erfüllte eine Mehrheit der Spitäler, Heime und Spitex-Organisationen die Vorgaben und bekam einen Bonus: Die Quote hatte im Vorjahr 54 Prozent erreicht.
Andererseits mussten 40 Prozent der insgesamt 177 Organisationen für mangelnden Ausbildungsfleiss einen Obolus bezahlen (der Rest lag in einem neutralen Toleranzbereich). Konkreter: 
  • Von den 22 Spitälern waren 17 im Bonus- und 5 im Malus-Bereich.
  • Von den 89 Pflegeheimen landeten 51 im Bonus- und 31 im Malus-Bereich.
  • Die grössten Ausbildungs-Verweigerer waren die Spitex-Organisationen: Hier waren von 66 Betrieben nur 28 im Bonus-, aber 35 im Malus-Bereich.
Im Aargau stand letztes Jahr dank den Malus-Zahlungen ein Bonus-Betrag von rund 1 Million Franken zur Verfügung. Der höchste auszahlbare Bonus erreichte rund 240'000 Franken, der höchste Malus rund 105'000 Franken.
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