Organspenden: Eher mehr als weniger Ablehnung

Der nationale Aktionsplan zur Steigerung der Organspende-Bereitschaft lief bislang ins Leere.

, 23. August 2017, 08:22
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Der Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» wurde 2013 lanciert, mit dem Ziel, dass auf eine Million Einwohner zwanzig konkrete (hirntote) Organspender kommen; und zwar sollte diese Quote bis Anfang 2018 erreicht sein. Reporter von Radio SRF haben nun nachgefragt – und es wird klar, dass dies kaum erreicht wird. Oder es werde zumindest «sehr schwierig», wie eine BAG-Sprecherin sagte: «Darin sind sich alle Involvierten einig».

Konkret: Die Spenderate wurde in den letzten vier Jahren von 13 auf gerade mal 13,3 gesteigert. Auf der anderen Seite mussten die Spezialisten von Swisstransplant sogar eine höhere Ablehnung feststellen. Konkret stieg die Ablehnungsrate der in den Spitälern angefragten Angehörigen von 40 Prozent im Jahr 2012 auf über 60 Prozent heute, berichtete Swisstransplant-Direktor Franz Immer.


Der Aktionsplan sieht unter anderem vor, dass das medizinische Fachpersonal im Spendeprozess geschult wird, dass Abläufe und Qualitätsmanagement vereinheitlich werden oder dass die Spitäler klare Organisationsstrukturen aufbauen. In diesen Aspekten seien die Spitäler heute tatsächlich besser aufgestellt, so Franz Immer.
Wo liegt also das Problem? Dies wird jetzt abgeklärt. Dass die Schweiz im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich und Österreich schlecht abschneidet, liegt daran, dass dort die Widerspruchslösung gilt; diese wurde hierzulande von den politischen Instanzen bislang abgelehnt. Nun will der Bund bis Ende 2018 zuwarten und die Gründe eruieren, weshalb es bei den Spendequoten und bei der Einstellung trotz Aktionsplan hapert.
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