«Obskure Ziele»: Widerstand gegen das Bundes-Projekt MARS

Die Waadtländer Ärztegesellschaft SVM fordert ihre Mitglieder auf, sich der Befragung durch das BfS vorerst zu verweigern.

, 25. November 2016, 10:01
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  • praxis
  • bundesamt für gesundheit
Wer sich ein bisschen in den Arztpraxen umhört, der ahnt: Das Projekt MARS nervt. Der Bund will bekanntlich die Informationslage im Gesundheitswesen verbessern, indem er systematisch Daten über den ambulanten Sektor erhebt. Um «das Angebot, die Prozesse und die Strukturen zu modernisieren», läuft unter Ägide des Bundesamtes für Statistik eine Grossaktion.
Momentan ist die Ärzteschaft an der Reihe: Alle Praxen und ambulanten Zentren der Schweiz müssen einen elektronischen Fragebogen ausfüllen – obligatorisch (mehr zu den Inhalten finden Sie hier).

«Konfuse juristische Lage»

Die Ärzteschaft in der Romandie zieht nun die Reissleine. Konkret hat die Delegierten-Versammlung der Waadtländer Ärztgegesellschaft SVM Stellung genommen zu den Forderungen aus Bern. Und zwar tat sie das sehr klar.
«Bei einer konfusen juristischen Lage, obskuren Zielen, unter dem Deckmangel der Transparenz, angesichts nur schon der technischen Probleme und bei den vielen noch offenen Fragen ist es derzeit beim besten Willen nicht gegeben, dem Ansinnen stattzugeben», teilt die SVM mit.

Wir haben schon genug Bürokratie

Die Ansprüche des BfS seien auf eine «vive réaction» unter den Ärzten gestossen – zumal diese ohnehin schon mit administrativen Aufgaben überfrachtet sind.
Schon von ihrer Ausbildung her seien die Ärzte keineswegs Gegner der Statistik, so die Mitteilung aus Lausanne weiter. Aber man wolle doch sicher sein, dass die Datensammlung auf einer soliden Grundlage stattfinde und dass der verlangte Aufwand auch etwas bringt («…être sûrs que la collecte se fait sur des bases appropriées et que l’effort qui leur est demandé sera utile»).

Was will das BAG mit den Daten?

Konkret prangern die Waadtländer Ärzte zudem ein Hauptproblem an: Der Fragebogen stelle keine simple Erfassung dar, vielmehr würden die Informationen der Ärzte auch ans BAG weitergeleitet, ohne dass dieses Amt bislang klargemacht habe, wie es das Material auswerten will.
Die entsprechenden Klarstellungen müssten vorgebracht werden, «impérativement»: Erst dann könnten die Ärzte antworten. Bis dahin fordert die Delegiertenversammlung der Société Vaudoise de Médecine ihre Mitglieder auf, auf den MARS-Fragebogen nicht zu antworten – sondern zuerst einmal die Helpline von BfS und FMH anzugehen. In der Zwischenzeit werde sich die SVM ebenfalls um die notwendigen Klärungen bemühen. 

  • Projekt MARS: Zur Informations-Seite der FMH

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