Neues Biontech-Projekt: «Biontainer» für Afrika

Afrika mangelt es an Vakzinen. Das Biotech-Unternehmen Biontech will mit der Herstellung von mRNA-Impfstoffen vor Ort starten. Speziell ausgestattete Container, sogenannte «Biontainer», dienen als transportable Impfstofffabriken.

, 17. Februar 2022, 09:00
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Afrika hat im Vergleich zu europäischen Ländern eine tiefe Impfquote: Rund 11 Prozent der Menschen sind doppelt gegen Covid-19 geimpft.
Die Unterschiede zwischen den Ländern Afrikas sind gross: In Ruanda etwa sind 53,7 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft, in Burundi wurden pro 100 Einwohner lediglich 0,08 Impfdosen verabreicht, was einer Impfquote von 0,1 Prozent entspricht. Der ostafrikanische Binnenstaat bildet somit das Schlusslicht, wie das Uno-Kinderhilfswerk Unicef auf der Webseite schreibt.
Ein Grund dafür sei, dass die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent kaum Zugang zu Impfstoffen hätten, so Unicef. Das wird sich aber vielleicht bald ändern.

Container als Impfstofffabrik

Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech will nämlich gemeinsam mit Partnern in Ghana, Ruanda und Senegal die Impfstoffversorgung in Afrika verbessern, wie die deutsche Tageszeitung «Welt» gestern berichtete. Die Idee: In Afrika sollen mobile mRNA-Produktionsstätten entstehen. In Containern von Biontech – in sogenannten «Biontainern» – sollen bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr vor Ort produziert werden. Diese sollen dann, wie Biontech mitteilte, «zu einem gemeinnützigen Preis innerhalb Afrikas verkauft werden». Das Projekt wird von Bundesregierung, der EU und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützt.
Die Technologie, um die mRNA-Impfstoffe zu produzieren, bleibe fest in den Händen von Biontech, schreibt die «Welt». Das sorgt für Kritik. Denn die afrikanische Union will den Anteil der Impfstoffe, die lokal hergestellt werden, bis zum Jahr 2040 von derzeit einem Prozent auf 60 Prozent steigern, wie im Artikel weiter steht.

«Biontainer»: In Deutschland gebaut, in Afrika aufgestellt

Die ersten «Biontainer» dürften im zweiten Halbjahr 2022 eintreffen. Die speziell ausgestatteten Überseecontainer, die in Deutschland gebaut werden, sollen zunächst in den Senegal, nach Ruanda sowie eventuell nach Südafrika gebracht und vorerst von Biontech-Mitarbeitern betrieben werden. Angaben von Biontech zufolge dürfte es weitere zwölf Monate dauern, bis dann die Produktion der Impfstoffe starten kann.

Gibt es bald auch einen mRNA-Impfstoff gegen Malaria?

Die Impfstofffabriken in den Containern sollen so eingerichtet sein, dass dort auch potenzielle Malaria- und Tuberkuloseimpfstoffe basierend auf der mRNA-Technologie produziert werden können. Es ist schon länger bekannt, dass das Mainzer Unternehmen mRNA-Impfstoffe gegen andere Krankheiten wie HIV, Krebs, Tuberkulose und Malaria entwickeln will. Der Start einer ersten klinischen Studie zu einem mRNA-Impfstoff gegen Malaria ist bereits Ende 2022 geplant.
Lesen Sie auch: Biontech subventioniert von der Allgemeinheit trotz satter GewinnePioniergeist muss belohnt werden (Gastbeitrag von Jan Schnellenbach)
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