Sponsored

Mittels überarbeiteter Geschäftsidee zum innovativen Spitex Leistungsangebot – FAS Jura

Ein Einblick in die häusliche Versorgung von Morgen, im Interview mit Élodie Gigandet (FAS Jura) und François Muller (Muller Healthcare Consulting).

, 2. Juli 2021 um 12:47
image
  • strategie
  • spitex
  • trends
  • muller healthcare consulting
Das letzte Jahr hat die Gesundheitssysteme weltweit auf die Probe gestellt. Die Überlastung der Krankenhäuser, der Anstieg der alternden Bevölkerung und die generell steigenden Kosten des Systems sind heute Kernthemen für alle Akteure im Gesundheitswesen. Um auf solche Umstände bestens vorbereitet zu sein, hat die FAS Jura, in Zusammenarbeit mit Muller Healthcare Consulting, eine zukunftsorientierte und innovative Strategie erarbeitet, die den Patienten bewusst ins Zentrum stellt. Dabei zählt man auf strategische Neuausrichtungen, wie die Hospitalisierung zu Hause (Hospitalsation à Domicile) und die Digitalisierung der Pflege.
François Muller ist Gründer von Muller Healthcare Consulting und berät Institutionen des Gesundheitswesens unter anderem in solchen Innovationsprozessen. So etwa die «Fondation pour l’Aide et les Soins à domicile (FAS)», in der Deutschschweiz als Spitex bekannt, der Elodie Gigandet als Präsidentin des Verwaltungsrats vorsitzt.
Herr Muller, Sie begleiten die Fondation pour l’Aide et les Soins à domicile (FAS) seit gut einem halben Jahr in der strategischen Neuausrichtung. Worin liegen die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
François Muller: Wir sehen unsere Rolle als Berater nicht darin, irgendwelche fertigen Lösungen zu bieten und zu bestimmen, wo es im Unternehmen langgehen soll. Vielmehr sehen wir uns als Partner in einem Prozess, den wir gemeinsam mit unseren Kunden gehen. Zusammen erarbeiten wir innovative Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Dabei unterstützen wir unsere Kunden in ihren Innovationsbestrebungen, liefern Entscheidungsgrundlagen und führen analytische Untersuchungen durch.
Das Projekt bei der FAS wurde im Februar gestartet. Unter anderem haben wir mit Mitarbeitenden aller Hierarchiestufen Interviews geführt, über eine Reihe von Workshops Analysen und Diskussionen validiert und schlussendlich strategische Optionen in eine holistische, zukunftsorientierte und nachhaltige Strategie eingearbeitet.
Frau Gigandet, Sie sind seit drei Jahren Verwaltungsratspräsidentin der FAS. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Muller Consulting?
Élodie Gigandet: Die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr positiv. Wir werden in alle Entscheidungsprozesse miteinbezogen. Die Mitarbeiter von Muller Healthcare Consulting haben das Projekt auf methodologische und persönliche Art und Weise angegangen. Dadurch ergab sich eine natürliche Zusammenarbeit mit einem zielorientierten Ansatz, der es ermöglichte, schnell und sicher qualitative Analysen zu erstellen.
François Muller: Für die Entwicklung einer Strategie haben wir einen fünfteiligen methodologischen Ansatz angewendet. (I) Zuerst führten wir eine Unternehmensanalyse durch, mit dem Ziel, ein komplettes Bild des Unternehmens zu erhalten. (II) Weiter erarbeiteten wir eine Umfeldanalyse, mit dem Zweck, regionale sowie globale Entwicklungen und Trends zu identifizieren und wahrzunehmen. Von hier aus konnten wir mit dem Verwaltungsrat der FAS Jura (III) strategische Optionen entwickeln, die anschliessend (IV) qualitativ sowie quantitativ bewertet wurden. (V) Relevante Punkte werden selektioniert und dienen letztlich als Grundlage einer kohäsiven Strategieformulierung.
image
Abbildung 1: In fünf Schritten zur Strategieformulierung, Muller Healthcare Consulting
Inwieweit hat die COVID-19-Pandemie den strategischen Ansatz der FAS verändert?               
Élodie Gigandet: Das vergangene Jahr war für uns eine grosse Herausforderung. Wir mussten auf die Veränderungen und die neue Situation schnell reagieren. Dadurch, dass etwa in den Spitälern die Aufenthaltsdauer verkürzt wurde, war die Spitex umso mehr gefordert. Zugleich wurden nicht-pflegerische Hilfeleistungen, wie zum Beispiel Hausarbeit, teilweise eingestellt. Auf operativer Seite hat es damit viele Veränderungen gegeben. Zugleich konnten wir das Jahr aber nutzen, um andere Aufgaben anzugehen, darunter aucheine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie.
François Muller: Die langfristige Strategie wurde durch die COVID-19 Pandemie nicht beeinflusst. Nichtsdestotrotz haben wir in der Strategieentwicklung auch die längerfristige demographische Entwicklung angeschaut und uns die Frage gestellt, ob die aktuelle Übersterblichkeit in gewissen Bevölkerungsgruppen einen Impact auf die Prognosen der Zukunft hat. Letzten Endes sind diese Einschnitte der Übersterblichkeit auf einen Horizont von 10 Jahren gesehen sehr gering und stellen eine solche Strategie nicht in Frage (dies natürlich unter der Voraussetzung, dass keine weiteren COVID-Wellen hinzukommen).
Nebst der demographischen Entwicklung ist die Zunahme von Multimorbidität und Multipathologien eine weitere Herausforderung für das Gesundheitswesen. Wie bereitet sich die FAS darauf vor, auf diese Komplexität zu reagieren?
Élodie Gigandet: Wir schulen bereits heute bestehendes Personal in Palliativ Care, damit sie optimal auf komplexe Pflegesituationen vorbereitet sind. Zudem haben wir uns mit der strategischen Neuausrichtung bewusst für ein breiteres Leistungsangebot entschieden. 
Einerseits werden wir unser Angebot erweitern und uns in Spezialgebieten wie der Onkologie und der Psychiatrie weiterentwickeln. Andererseits werden wir neue Fachgruppen wie das Case Management in die Organisation einfliessen lassen. Dazu gehört auch der Zukunftstrend rund um die Hospitalisierung zu Hause dazu. Für die Spitex resultieren daraus neue Herausforderungen und Chancen zugleich.
Einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen Betreuung zu Hause leisten bereits heute die pflegenden Angehörigen. Wie können sie in Zukunft noch besser in das Netzwerk eingebunden werden?
Élodie Gigandet: Die Betreuung und Pflege kranker Familienmitglieder durch Angehörige wird aufgrund der demografischen Entwicklung in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Wir müssen sie deshalb noch mehr in den Pflegeprozess miteinbeziehen und darin unterstützt. In Zukunft werden deshalb unsere Teams verkleinert und lokal noch mehr verankert. Das ermöglicht unseren Mitarbeitenden, bessere Kenntnis über die Kunden und ihre Angehörigen beziehungsweise ihr Umfeld zu erlangen.
Wie hat sich die Arbeit der Spitex Mitarbeitenden in den letzten Jahren verändert?
Élodie Gigandet: Die Arbeit der diplomierten Pflegefachpersonen hat sich dahingehend verändert, dass heute viel mehr technische Kenntnisse erforderlich sind und dass unser Personal viel besser ausgebildet ist und auch sein muss. Dies führt fast unumgänglich dazu, dass gewisse Tätigkeiten an das Assistenzpersonal delegiert werden, damit sich das diplomierte Personal auf die technischen Skills konzentrieren und das Assistenzpersonal coachen kann.
Stichwort technische Kenntnisse und Digitalisierung. Wie weit ist die FAS hier?
Élodie Gigandet: Hier haben wir deutlichen Aufholbedarf. Alle unsere Mitarbeitenden haben zwar ein Tablet, das elektronische Patientendossier, kurz EPD, muss jedoch erweitert werden. Unsere Strategie legt deshalb grosses Gewicht auf die Digitalisierung, insbesondere auch auf die Telepflege.
François Muller: Die Digitalisierung ist ein wichtiges Instrument zur Entlastung des Gesundheitssystems. So wird etwa die digitale Überwachung und Online-Konsultation im Spitex-Bereich in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Sie gibt dem Patienten die Möglichkeit, mehr Autonomie zu erhalten, aber auch zu behalten.
Zum Schluss einen Ausblick in die Zukunft – welche Rolle wird die Spitex bei der Entlastung der Spitäler spielen?
Élodie Gigandet: Die Devise wird in Zukunft lauten: ambulant vor stationär. Gerade hier wird die Spitex eine entscheidende Rolle spielen. Deshalb wird in den nächsten Jahren vor allem die Spezialisierung und die Kompetenzerweiterung der Spitex weiter voranschreiten.
François Muller: Im Rahmen der Strategieentwicklung haben wir sehr genau angeschaut, wie das Klientel in der Zukunft aussehen wird. Einerseits wird dieses aufgrund der demographischen Entwicklung viel zahlreicher. Andererseits haben die zukünftigen Nutzer ein anderes soziodemographisches Profil. Sie haben andere Erwartungen, sind viel häufiger digital unterwegs und haben andere Anforderungen, was die Verfügbarkeit von Dienstleistungen angeht. Mit der gemeinsam erarbeiteten Strategie ist die FAS auf diese Herausforderungen bestens vorbereitet.
Wie Muller Healthcare Consulting Ihnen helfen kann:
Wollen Sie die Strategie Ihrer Organisation innovativer gestalten? Sollen, auf operativer Ebene, Prozesse angepasst werden? Oder sollen Anpassungen auf der organisatorischen Ebene durchgeführt werden? Wir haben Projekterfahrung in allen Bereichen und kennen uns sehr gut mit den Ansprüchen und Herausforderungen der jeweiligen Ebenen aus. Wir unterstützen Sie gerne bei Ihren Bestrebungen in der Entwicklung einer patientenorientierteren Versorgung.
Über Muller Healthcare Consulting:
Die Beratungsgesellschaft Muller Healthcare Consulting GmbH wurde 2014 von François Muller gegründet. Das Unternehmen mit Büros in der Schweiz und in Luxemburg bietet Institutionen des Gesundheitswesens Beratungsdienstleistungen an. Muller Healthcare Consulting verfügt über eine Expertise in der Optimierung klinischer und nicht-klinischer Prozesse, in der Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen sowie in gesundheitsökonomischen Fragestellungen. Muller Healthcare Consulting unterstützt Spitäler, Psychiatrien, Pflegeheime und andere Leistungserbringer im Gesundheitswesen, aber auch Regierungen in Strategie-, Prozess- und Organisationsfragen.
Das Interview mit Frau Elodie Gigandet, Präsidentin des Verwaltungsrats der FAS Jura, sowie mit François Muller, Geschäftsführer & amp; Gründer Muller Healthcare Consulting, wurde am 24. Juni 2021 durchgeführt.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Bern will seine Spitex neu organisieren

Derzeit gibt es im Kanton Bern 47 Spitex-Regionen. Diese Zahl soll nun deutlich sinken – am besten auf 18.

image

Patrick Hässig im Vorstand von Spitex Zürich

Zugleich schuf der Spitex Verband Kanton Zürich einen neuen Fachbeirat.

image

Das nächste Feld für die KI: der Schockraum

Das deutsche Fraunhofer-Institut stellt zwei AI-Anwendungen vor, die in der Notfall-Abteilung live Informationen und Ratschläge bieten – und auch noch Formulare ausfüllen.

image

Neues GL-Mitglied für die Spitex Schweiz

Von der Post zur Spitex: Denise Birchler wird Leiterin Kommunikation und Marketing.

image

Schneller gegen Schlaganfall: KSA und ETH entwickeln magnetischen OP-Roboter

Mit der neuen Technologie soll das Eingriffs-Tempo deutlich erhöht werden.

image

Luzern: Ende des Ärzte- und Pflegemangels in Sicht?

Im vergangenen Jahr wurden 10 Prozent mehr Bewilligungen für Gesundheitsberufe erteilt.

Vom gleichen Autor

image

Wie können Pharmafirmen mehr für PatientInnen tun?

In der Schweiz identifizierten im Rahmen einer Befragung PatientInnen, Betreuende, ÄrztInnen und PatientInnenorganisationen1, was die Pharmaindustrie über die Bereitstellung von Medikamenten hinaus tun kann, um PatientInnen sowie die Gesellschaft besser zu unterstützen.

image

Unsere Gesellschaft ist übermüdet

Unser Berufs- und Sozialleben folgt einem anderen Zeitplan als dem unserer inneren Uhr. Schlafmangel ist die Folge, noch schwerwiegender sind aber die daraus resultierenden Folgeerkrankungen.

image

Alles in einem System

Das Stadtspital Zürich hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine IT-Systeme zu homogenisieren. In der Radiologie spielt Dedalus HealthCare mit DeepUnity die zentrale Rolle.