Mammographien: Präzisere Resultate, aber…

Die technologischen Fortschritte bei den Brust-Screenings sind offenbar eine zweischneidige Sache: Sie führen auch zu mehr unnötigen Biopsien.

, 3. März 2017, 05:00
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Die technologischen Fortschritte bei den Brust-Screenings bringen etwas: Digitalgeräte tragen offenbar spürbar dazu bei, leichter Tumore zu entdecken. Auf der anderen Seite werden auch häufiger verdächtige Abnormitäten festgestellt – mit der Folge, dass sich mehr Frauen Biopsien unterziehen müssen, bei denen die Ärzte am Ende aber nur gutmütige Phänomene entdecken.
Dies besagt eine Auswertung des amerikanischen Breast Cancer Surveillance Consortium. Ausgangspunkt waren Daten aus dem Jahr 2005, als Film-Folien-Systeme noch zum Standard gehörten. Jetzt fanden es die Leiter des Überwachungs-Consortium an der Zeit, die damaligen Ergebnisse zu vergleichen: Denn immerhin hatte die digitale Mammographie oder sogar die 3D-Tomosynthese inzwischen die alten Systeme weitgehend ersetzt.
Unter der Leitung von Brian L. Sprague vom University of Vermont Cancer Center wurden die Daten von 418 Radiologen und 92 Instituten in den USA aufgegriffen. Insgesamt 401'000 Untersuchungen aus den Jahren 2007 bis 2013 bezog das Radiologen- und Onkologen-Team in seiner Vergleichsstudie ein.
Der Vergleich zeigte: Während bei der Publikation von 2005 auf 1'000 Untersuchungen 25,3 Tumore entdeckt worden waren, stieg die Quote nun auf 34,7. Die bessere Bildgebungs-Technologie dürfte sich also hier konkret ausgewirkt haben.

Nicht ganz überraschende Entwicklung

Zugleich aber stieg die Anzahl der Fälle, wo eine Frau wegen eines Verdachts zu einer Biopsie einberufen wurde. Hatte diese Quote 2005 noch 8,0 Prozent betragen, erreichte sie nun 12,6 Prozent.
Damit bestätigt sich eine nicht ganz überraschende Entwicklung. Brian L. Sprague, der Untersuchungsleiter, erinnerte aber auch daran, dass in Europa die Präzision ebenfalls gesteigert wurde, ohne dass die Zahl der festgestellten Abnormitäten derart stark stieg – oder anders: Es gibt hier weniger falsch-positive Befunde. Dies wohl, weil es hier üblicher ist, dass zwei Spezialisten eine Mammographie lesen.
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