Kunstfehler: Welche Diagnosen besonders heikel sind

Hier die wichtigsten Aussagen der neuen Statistik der Behandlungsfehler in Deutschland.

, 3. April 2017, 08:02
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In 2'245 Fällen anerkannten die zuständigen Kommissionen der Bundesärztekammer letztes Jahr einen Behandlungsfehler. Damit lag die  Zahl um gut 100 Fälle höher: 2015 waren in Deutschland offiziell 2'132 ein Kunstfehler diagnostiziert worden.
Bei 1'845 Patienten floss danach Geld – hier ermittelten die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen einen Fehler in der Behandlung oder der Risikoaufklärung, der einen Anspruch auf Entschädigung begründete.
Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren:

  • Knie- und Hüftgelenkarthrosen,
  • Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen,
  • Unterarmfrakturen,
  • Schulter- und Oberarmfrakturen,
  • Schäden an Bandscheibe und/oder Lendenwirbelsäule,
  • Oberschenkelfrakturen,
  • Kniebinnenschaden (traumatisch),
  • bösartige Neubildung der Brustdrüse,
  • Deformität der Zehen oder Finger.

Insgesamt waren die Prüf-Gremien 7'639 mal angerufen worden, weil ein Patient einen Kunstfehler vermutete. Und zwar verteilten sich die Fälle im Verhältnis drei zu eins: Auf etwa 6'000 Spitalfälle trafen 2'000 Fälle im ambulanten Bereich.


«Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering»: So fasst Andreas Crusius die Statistik des Jahres 2016 zusammen; er leitet die Ständige Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer. «Wir wollen nichts bagatellisieren. Hinter jedem Fehler können schwere menschliche Schicksale stehen. Wir müssen die Risiken in der Medizin aber richtig einordnen, um Patienten nicht unnötig zu verunsichern. Für Panikmache und Pfuschvorwürfe gibt es überhaupt keinen Grund.»

«Im Promillebereich»

Denn klar: Die Kunstfehler müssen zur Gesamtzahl der Behandlungsfälle ins Verhältnis gestellt werden. In Deutschland wurden dabei über 695 Millionen Fälle im ambulanten Bereich registriert; in den Spitälern lag die Fallzahl bei 19,8 Millionen Fällen. «Gemessen daran liegt die Zahl der festgestellten Fehler im Promillebereich», so Crusius.
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