KPMG rät: Arztsekretariate durchlüften!

Schweizer Spitäler sind zu wenig rentabel. Die Beratungsgesellschaft KPMG schlägt Mittel zur Ertragsverbesserung vor – unter anderem die Reorganisation der Sekretariate.

, 19. Oktober 2016, 13:53
image
  • spital
  • studie
  • kpmg
Die öffentlichen Spitäler der Schweiz bewegen sich dicht an der Rentabilitätsgrenze. Die an der Kenngrösse EBITDA gemessene Betriebsgewinn-Marge der liegt im Durchschnitt bei 6,5 Prozent, wie die Beratungsgesellschaft KPMG in ihrem neuen Bericht «Clarity of Healthcare - Die neue Realität» feststellt.
Gefordert wären aber laut den Autoren André Zemp und Michael Herzog «mindestens» 10 Prozent. Nur so könnte sich ein Spital nachhaltig finanzieren, Zinsen und Darlehen zurückzahlen und nach Ablauf des Lebenszyklus die Immobilien wieder selber finanzieren. 

Erträge optimieren

Was bedeutet das für die Spitalmanager? Die Berater legen ihnen nahe, das Spital als Unternehmen in einem regulierten, aber trotzdem sehr kompetitiven Markt zu betrachten und zu führen und vor allem die Erträge zu optimieren. Dazu schlagen sie verschiedene Massnahmen vor: 
  • Veränderung der Anreizsysteme: Das gängige umsatzorientierte Anreizsystem trage der Verantwortung für das Gesamtergebnis zu wenig Rechnung. 
  • Ertragssteigerungen durch Erhöhung der Auslastung.
  • Reorganisation der Sekretariatsstrukturen, um den Weg zu mehr Effizienz und zu Kosteneinsparungen zu öffnen. 

1:1-Beziehung

Die Arzt-Sekretariat-Beziehung ist im Wandel: Ärzte haben immer mehr administrative Aufgaben zu bewältigen, Mitarbeiter des Sekretariats sind mit den unterschiedlichen Ansprüchen der Ärzte oftmals überfordert. «Die Reorganisation der Sekretariatsstrukturen bietet Potenzial, mehr Effizienz in die Prozesse und Strukturen zu bringen und damit auch Kosteneinsparungen erreichen zu können», heisst es im Bericht. 
In der Vergangenheit hatte jeder Arzt «seine» Sekretärin als Ansprechperson. Auf eine Sekretariatsmitarbeiterin kamen zwei bis drei Ärzte. «Die Frage stellt sich, ob sich ein Spital dies heute noch leisten kann», schreibt Beraterin Stefanie Ruckstuhl. Die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Sekretariat fördere zwar die Loyalität, berge aber auch das Risiko, dass Ineffizienzen nicht bemerkt oder geäussert würden. 

Mehr Fehler bei dezentraler Organisation

In den meisten Spitälern sind die Sekretariate dezentral den medizinischen Bereichen oder einzelnen Ärzten zugeordnet. Dabei bearbeiten die Mitarbeiter oft das ganze Aufgabenspektrum, von der Terminvereinbarung über die Patientenaufnahme, Leistungserfassung, Berichteschreiben bis hin zur Bearbeitung von Rechnungsretouren. 
Je stärker die Aufgaben dezentralisiert sind, desto mehr Ressourcen werden gebunden. Die Erfahrung von KPMG zeigt, dass Fehler, beispielsweise in der Abrechnung, häufig Folgen von dezentralen Organisationsstrukturen sind. Alle Aufgaben der Sekretariate zu zentralisieren sei aber auch nicht immer die beste Lösung. 

Patienten kommen zuerst

Bevor eine Reorganisation in Angriff genommen werde, sei es wichtig, die Aufgaben der Sekretariatsmitarbeiter zu klassifizieren. Priorität haben Dienstleistungen gegenüber den Patienten. Die internen Dienstleistungen für den Arzt und andere Abteilungen gelte es zu vereinheitlichen und möglichst effizient zu gestalten. 
Durch eine Zusammenführung von Aufgaben wie dem Berichtswesen können Doppelspurigkeiten vermieden werden. Auch müssen Sekretariatsarbeiten von anderen administrativen Aufgaben, welche in der Verantwortung des Arztes liegen, klar getrennt werden. 
Versteht sich von selbst, dass eine Reorganisation nur unter Einbezug der Ärzte bewerkstelligt werden kann. 
Zur Studie: «Clarity on Healthcare - Die neue Realität», KPMG, Oktober 2016
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Freiburger Spital muss Operationen verschieben

Das Freiburger Spital HFR sieht keine andere Lösung mehr: Weil alle Betten ausgelastet sind, verschiebt es nicht dringende Eingriffe.

image

Die Rega scheitert im Wallis an Air Zermatt und Air Glacier

Der Kampf der Rettungs-Unternehmen um den Walliser Luftraum ist entschieden: Die Rega erhält keinen Auftrag.

image

Nun macht auch Team der Uroclinic in Wetzikon mit

Die Urologieabteilungen des Zürcher Unispitals und des GZO Spitals Wetzikon nehmen einen dritten Partner auf: Die Uroclinic Wetzikon.

image

Dieses Foto aus dem Zürcher Kinderspital holt einen Preis

Ein Bild der Fotografin Barbora Prekopová vom Kinderspital Zürich erhält die Auszeichnung als «bestes PR-Foto des Jahres 2022».

image

José Oberholzer auf dem Sprung in die Schweiz?

Der Chirurg José Oberholzer soll angeblich die Funktion als neuer Klinikdirektor der prestigeträchtigen Transplantations-Chirurgie am Zürcher Unispital übernehmen.

image

Nationalfonds unterstützt St.Galler Forschung zu «Long Covid»

Natalia Pikor vom Kantonspital St.Gallen erhält vom Nationalfonds Fördergelder in Millionenhöhe. Es ist nicht das einzige geförderte Forschungsprojekt.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.