Internationaler Vergleich: Das verdient man in der Pflege

Hier bekommen Sie einen Überblick der Gehälter für Pflegefachleute – im internationalen Vergleich. Und im Vergleich zu den Durchschnittslöhnen.

, 22. November 2017, 07:57
image
  • lohn
  • pflege
Die OECD hat eine Welle neuer Daten veröffentlicht zum Gesundheitswesen in den Industriestaaten – und dabei bekommen wir auch einen Blick auf die Entlöhung der Ärzte und des Pflegepersonals.
Das ist nicht bloss interessant für jene, die auch mal gern im Ausland arbeiten möchten. Die Daten besagen auch allerhand über die relative Wert-Schätzung der Pflege in der Schweiz.

  • OECD Indicators: «Health at a Glance 2017», November 2017

In den Grafiken des Industriestaaten-Verbands sehen wir, dass das Pflegepersonal in Luxemburg und in den USA finanziell klar am besten gestellt ist. Im Herzogtum kommen ausgebildete Pflegefachleute auf ein Jahresgehalt von 94'000 Dollar (was zum heutigen Stand umgerechnet 93'000 Franken wären). 
Erfasst wurde dabei jeweils der Brutto-Jahresverdienst für einen Vollzeit-Job, darin enthalten weitere Zuwendungen wie Boni oder Schichtzulagen. Dabei stammen die Daten in fast allen Ländern ausschliesslich aus Spitälern.
image
Durchschnittslohn in der Pflege, in Dollar, 2015 (USA/Irland/Chile: Nur Pflegepersonal mit höherem Abschluss, deshalb eher überdurchschnittliche Werte) | Quelle/Grafik: OECD
Die Schweiz taucht nicht auf in den OECD-Tabellen. Aber wir können zum Vergleich das Gehalt einer Pflegefachperson in einem öffentlichem Spital nehmen: Gemäss dem «Lohnbuch 2016» des Zürcher Amtes für Wirtschaft und Arbeit – lag der Lohn hier bei 5'511 Franken pro Monat, ausbezahlt in 13 Raten. Das ergibt also einen Brutto-Jahreslohn von 71’600 Franken respektive gut 72'300 Dollar.
Anders gesagt: Im internationalen Vergleich steht das Pflegepersonal hierzulande an der Gehalts-Spitze. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn bekanntlich gilt die Schweiz als Hochlohn- und Hochpreis-Insel – und der hohe Franken trägt ebenfalls dazu bei, dass die Dollar-Zahlen hoch wirken.
Dennoch: Wir sehen, dass der Graben zu Nachbarländern wie Deutschland (53'700 Dollar), Frankreich (42'500 Dollar) und Italien (42'100 Dollar) sehr erklecklich ist.

Pflegelöhne: 1,2 mal Durchschnittslohn

Interessant ist nun der Vergleich zum Durchschnittslohn im jeweiligen Land. Die OECD-Daten verraten, dass das Pflegepersonal in den meisten Ländern recht gute Löhne erhält – über alle Industriestaaten gesehen erhält eine ausgebildete Pflegefachkraft das 1,14-fache des Durchschnittslohnes in ihrem jeweiligen Land. 
image
Durchschnittslohn in der Pflege im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, 2015 | Quelle/Grafik: OECD
Das Prinzip gilt auch für die Schweiz: Das Durchschnittsgehalt in der Schweiz liegt bei knapp 59'000 Franken (laut BAK Basel | mehr); stellte man dem die oben erwähnten 71'600 Franken für Pflegefachleute gegenüber, so kommt man auf einen Wert von 1,21.
Mit anderen Worten: Im Verhältnis zum allgemeinen Lohnniveau wird die Pflege in der Schweiz relativ gut vergütet – höher als in Deutschland (1,13), Italien (1,06) oder sogar Frankreich, wo Pflegefachleute sogar unterdurchschnittlich verdienen (0,95).
Natürlich sind solche Bruchzahlen auch nur ein feiner Hinweis; aber sie bilden doch eine kleine Bestätigung dafür, dass die Pflege hierzulande ein hohes Standing hat – in mancherlei Beziehung.
.
image
Vergleich der Ärztelöhne zum Durchschnittsgehalt der Bevölkerung im jeweiligen Land, 2015 | Quelle/Grafik: OECD

Schweizer Ärztelöhne: Im Verhältnis wie bei den Nachbarn

Den Abstand zum Durchschnittsgehalt erforschte die OECD auch bei den Ärztelöhnen. Konkret nahm sie die Einkommen von selbstständigen Ärzten, teils auch von angestellten Medizinern. 
Wir sehen beispielsweise, dass ein selbstständiger Allgemeinpraktiker in Österreich 2,7 mal mehr verdient als der Schnitt; in Frankreich ist es das 3-fache und in Deutschland gut das 4-fache.
Klar wird dabei auch, dass der Graben bei den Spezialisten noch grösser ist, in Deutschland verdient beispielsweise ein selbstständiger Facharzt gut 5mal mehr als ein Durchschnitts-Beschäftigter.



Auch hier lieferte die Schweiz keine Daten. Aber bekanntlich ergab eine FMH-Umfrage 2009, dass das AHV-pflichtige Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit bei 234'000 Franken liegt; bei den Allgemeinpraktikern erreichte der Wert 197'500 Franken. Das entspräche also dem 4-fachen (oder bei den Hausärzten dem 3,5-fachen) des Lohn-Schnitts.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

SBK «schockiert»: Hilfskräfte spritzen Morphin – und überschreiten ihre Grenzen

Ein Berner Senevita-Heim steht in der Kritik: Dort sollen Nachtwachen in der Pflicht gewesen sein, Bewohnenden Morphin zu spritzen – ohne nötige Ausbildung.

image

Pflegeleiter verlässt die Reha-Klinik Bellikon

Miguel González und die Suva Reha-Klinik Bellikon gehen «getrennte Wege». Es sei «im gegenseitigen Einvernehmen», heisst es.

image

Mehr Lohn für Spitalangestellte? Stimmt häufig nicht.

Es ist eine Augenwischerei: Die Spitäler behaupten, die Löhne zu erhöhen. Dabei gleichen viele nicht einmal die Teuerung aus.

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Das See-Spital gewährt einen Teuerungsausgleich und erhöht die Löhne

Das ist ein grosszügiger Akt: Die Mitarbeitenden erhalten neben einem Teuerungsausgleich sechs Prozent mehr Lohn. Auch der Nachtzuschlag wird deutlich erhöht.

image

Basler Pflegeforschungsprojekt erhält Förderpreis

Ein Team um die Pflegewissenschaftlerin Lut Berben konnte sich einen Förderbeitrag sichern – für ein Projekt, das die Versorgung für adoleszente Rheumapatientinnen und -patienten verbessern will.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.