Impfobligatorium: Spital muss sein Personal gleich behandeln

Für sämtliche Pflegemitarbeitenden müssten die gleichen spitalinternen Impfregeln gelten. Dies hat ein Gericht entschieden. Nun erhält eine Pflegefachfrau nach einer missbräuchlichen Kündigung eine Entschädigung.

, 21. März 2022, 13:36
image
  • spital
  • impfung
  • pflege
Nicht erst seit der Corona-Pandemie geben Impfungen für das Gesundheitspersonal Anlass zu grossen Diskussionen. Immer wieder bringt das Thema verbale und sogar auch rechtliche Auseinandersetzungen mit sich. 
So kam es 2017 im Kanton St.Gallen zu einem Missverständnis. Eine 21-jährige angehende Pflegefachfrau HF ging davon aus, sich lediglich gegen Hepatitis B impfen zu müssen. Das Privatspital hingegen forderte sie auf, im Rahmen des intern geltenden Impfobligatoriums diverse Grundimpfungen nachzuholen. 

Pflegefachfrau nahm Kündigung nicht hin

Als sich die Mitarbeiterin weigerte, wurde ihr in der Probezeit gekündigt. Die Pflegefachfrau nahm das nicht hin, holte einen Anwalt und zog den Fall bis vor Gericht. Nun liegt das rechtskräftige Urteil vor, wie die NZZ berichtet. 
Das Kreisgericht hat in diesem Fall entschieden, dass die Kündigung missbräuchlich gewesen sei. Es spricht der Frau zwei Monatslöhne zu.  

Ungleichbehandlung gilt als Benachteiligung

Die Rede ist von einem Missverständnis im Bewerbungsgespräch. Im Vertrag war nur die Hepatitis-B-Impfung geregelt. Das Recht mittels Weisung weitere Impfungen anzuordnen,  beurteilt das Gericht als begrenzt – unter anderem durch den Anspruch auf körperliche Integrität. 
Ins Gewicht fällt aber auch die Ungleichbehandlung. Denn vom langjährigen Pflegepersonal verlangte das St. Galler Privatspital die fraglichen Grundimpfungen nicht. Für das Gericht liegt damit eine willkürliche Benachteiligung beziehungsweise eine Diskriminierung vor. 

Keine Durchimpfung beim gesamten Personal

Gemäss Spital besteht die Impfpflicht seit dem Jahr 2007. Die bereits vorher angestellten Mitarbeitenden konnten sich damals ebenfalls impfen lassen. «Wir wollten jedoch nicht rückwirkend für bereits angestellte Mitarbeitende die vertraglichen Grundlagen in dieser Beziehung verändern», teilt das Spital gegenüber der NZZ mit.
Die Verträge seien dann im Jahr 2017 angepasst worden. Von diesem Zeitpunkt an wurden die geforderten Impfungen explizit erwähnt, heisst es. Vorausgesetzt würden die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) für das Gesundheitspersonal empfohlenen Impfungen. Ausgenommen seien die jährliche Grippeimpfung und die Corona-Impfung.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Service on Demand im Gesundheitswesen: einfach cool.

Service on Demand ist einfach, flexibel und innovativ. Anders gesagt, eine Dienstleistung, die nur nach Bedarf zum Einsatz kommt und einen Auftrag digital der richtigen Stelle meldet.

image

So will der Kanton Zug die Pflege stärken

Über die nationale Ausbildungsoffensive hinaus will der Kanton Zug Themen wie Wiedereinsteigerinnen oder verbesserte Anstellungsbedingungen in den Fokus nehmen.

image

Bildungsstation am Kantonsspital Aarau

Das Kantonsspital Aarau bildet derzeit über 350 Lernende und Studierende im Bereich Pflege und medizinische therapeutische Therapieberufe aus. Ihnen ein attraktives Arbeits- und Ausbildungsumfeld zu bieten ist das oberste Ziel. Dazu geht das KSA innovative Wege.

image

Neuer Chefarzt für die Rehaklinik Zihlschlacht

Karsten Krakow übernimmt die Funktion des Chefarztes für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation bei der Vamed-Rehaklinik Zihlschlacht.

image

Hier könnte bald ein neues Spital stehen

Die Lindenhofgruppe prüft auf dem Berner Springgarten-Areal die Realisierung eines möglichen neuen Spitalstandorts.

image

Kantonsspital St.Gallen stellt die Notfallmedizin neu auf

Das Kantonsspital St.Gallen organisiert die Zentrale Notfallaufnahme neu, vollzieht gleichzeitig einen Namenswechsel und ernennt eine neue ärztliche Leiterin.

Vom gleichen Autor

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.

image

Ärzte greifen während Arbeit zu Alkohol und Drogen

Da die Belastung im Gesundheitswesen hoch ist, erscheinen offenbar Ärzte sogar betrunken oder high zur Arbeit. Dies zumindest geht aus einer Umfrage aus den USA hervor.

image

Ist Mikroplastik im Blut eine Gefahr für die Gesundheit?

Die Basler Nationalrätin Sarah Wyss will wissen, welchen Einfluss Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Hier die offizielle Antwort des Bundesrates.