Hoffnungsträgerin E-Zigarette? Auch die US-Gesundheits-Überwacher wechseln die Front

Die amerikanische Food & Drug Administration schwenkt in der Nikotin-Politik um: Gekämpft wird weiter gegen die Zigarette – aber nicht mehr gegen den Tabak an sich.

, 31. Juli 2017, 06:05
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In einer «multi-year roadmap» will die Gesundheitsbehörde FDA den Umgang Amerikas mit den Tabak neu justieren. Der Mehrjahresplan hat zwei Teile: Einerseits sollen die Zigarettenhersteller Schritt für Schritt dazu gezwungen werden, die Nikotinwerte aller Zigaretten herunterzudrücken – und zwar so tief, dass das Nikotin keine Suchtwirkung mehr haben kann.
Auf der Gegenseite wagt die FDA gegenüber anderen Tabak-Produkten eher mehr Laissez-Faire. So gibt die Behörde per sofort eine Einschränkung auf, welche sie letztes Jahr angekündet hatte: Ursprünglich sollten alle Produkte, die für den Einsatz in E-Zigaretten verwendet werden können, ab diesem Sommer bewilligt und von der FDA strenger kontrolliert werden. Diese Forderung wurde jetzt in eine weite Zukunft verschoben – ins Jahr 2022 –, und die FDA versprach auch, dass bei Bewilligungsverfahren für E-Zigaretten vereinfachte Prozesse eingerichtet werden.


Man suche, so die Erklärung von FDA-Chef Scott Gottlieb, «eine angemessene Balance zwischen Regulierung und der Ermutigung von innovativen Tabakprodukten, die weniger gefährlich sind als Zigaretten» («an appropriate balance between regulation and encouraging development of innovative tobacco products that may be less dangerous than cigarettes»).

Einerseits, andererseits

Auch dieser Satz zeigt: Die feine, aber sehr entschiedene Neuerung liegt darin, dass nun die Gesundheitsüberwacher die Zigarette als Killer definieren – und nicht mehr den Tabakkonsum an sich. «Die überwältigende Menge von Todesfällen und Krankheiten, die dem Tabak zugerechnet werden können, wird durch Zigarettensucht verursacht», so FDA-Chef Gottlieb.
Eine Welt, in der einerseits die Zigarette nicht mehr in der Lage ist, süchtig zu machen, und wo andererseits Erwachsene Nikotin von weniger gefährlichen Quellen erhalten können: dies seien die Ecksteine der neuen Politik.

«…it is important to promote the use of e-cigarettes»

Der zeitliche Zusammenhang ist wohl Zufall, aber im «British Medical Journal» erschien soeben eine Studie, welche die Debatte in dieselbe Richtung lenkt: Kalifornische Forscher erhoben bei insgesamt 22'000 Rauchern, ob die E-Zigarette eher eine Einstiegsdroge ist – oder ob sie vielmehr hilft, von der Nikotinsucht loszukommen. Heraus kam, dass die Raucher, welche zur E-Zigarette wechselten, signifikant häufiger auch vollends loskamen vom Tabakkonsum.
Im angelsächsischen Raum (der in der Nikotinpolitik stets die Richtung auch für uns vorgespurt hat) scheint sich der Präventionswind damit definitiv zu drehen – pro Nikotinverdampfer. Bekanntlich riet das Royal College of Physicians in Grossbritannien (also die Standesorganisation der Ärzte) der Regierung in London, die Nikotinverdampfer positiv zu nutzen: als Ersatzweg für die Zigarette. («However, in the interests of public health it is important to promote the use of e-cigarettes, NRT and other non-tobacco nicotine products as widely as possible as a substitute for smoking in the UK»).


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