Hochstapler im Operationssaal

Jahrelang arbeitete ein Mann als Chirurg in einem deutschen Spital, obwohl er gar kein richtiger Arzt ist. Nun ist er aufgeflogen.

, 10. November 2015 um 14:33
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  • chirurgie
Nicht in jedem weissen Kittel steckt ein richtiger Arzt. Im Krankenhaus Düren jedenfalls arbeitete ein Mann viele Jahre lang als Assistenzarzt, der offenbar gar kein Arzt war.  
Ihm sei fristlos gekündigt worden, wie das Spital in einer Mitteilung schreibt. Ausserdem sei Strafanzeige wegen Verdachts auf Betrug und Urkundenfälschung eingereicht worden. 
Der Mann soll unter anderem zwei Promotionsurkunden gefälscht und sich auch seine ärztliche Berufserlaubnis erschlichen haben. 

Zwei Doktorarbeiten erfunden

Die Arbeit des Mannes habe keinen Anlass gegeben, an seiner Qualifikation zu zweifeln. Erst als ein Kollege die Geschäftsführung des Spitals darauf aufmerksam machte, dass eine angebliche Doktorarbeit des Arztes nicht im Internet zu finden sei, habe man Nachforschungen angestellt. 
Als man sich bei der betreffenden Universität nach der Arbeit erkundigt habe, sei herausgekommen, dass diese dort nie geschrieben worden sei. Auch eine weitere angebliche Doktorarbeit in einem anderen Fach sowie eine vermeintliche Diplomarbeit erwiesen sich als Erfindungen. 

Medizin studiert, aber keine Prüfungen abgelegt

Vieles darauf hin, dass der Mann tatsächlich Medizin studiert und auch Leistungsnachweise erbracht, aber keine Prüfungen abgelegt hat. Eingestellt wurde er auf Basis eines guten Leumundes von der Klinik, in der er zuvor tätig gewesen war. 
Der Mann arbeitete nach Medieninformationen über Jahre in der Allgemeinchirurgie, die auch Eingriffe im Bauchraum vornimmt. Dabei ist er an Operationen beteiligt gewesen, allerdings laut Spital nicht ohne Aufsicht eines anderen, verantwortlichen Mediziners. 
Das Spital Düren beschäftigt mehr als tausend Mitarbeitende und bezeichnet sich als führender Schwerpunktversorger zwischen Köln und Aachen.

Hochstapler geben sich als Ärzte aus

Immer wieder werden Fälle von Hochstaplern bekannt, die als Ärzte arbeiten. In Deutschland etwa wurde im vergangenen Jahr in Mönchengladbach ein falscher Zahnarzt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. 
Im Oktober wurde ein Krankenpfleger aus Bochum, der sich mit falschem Namen und gefälschten Papieren als Notarzt in die Rettungswache einschlich, zu drei Jahren Haft verurteilt. 
Foto: Symbolbild Phalinn Ooi / Flickr CC
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