Herz-Operationen: Lieber nachmittags als in der Früh

Eine französische Studie deutet an, weshalb es besser sein dürfte, wenn man sich eher später als früher operieren lässt.

, 3. November 2017, 08:13
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Es ist nicht nur wichtig, wer operiert – es kann auch entscheidend sein, wann jemand operiert wird. Diese Vermutung erhärtet eine neue Kohortenstudie, die an der Universitätsklinik in Lille erarbeitet wurde. Ein Team um den Kardiologen David Montaigne beobachtete die Daten von knapp 600 Patienten, die in Lille eine künstliche Herzklappe erhalten hatten – und fragte, wie sich ihr Gesundheitszustand in den 500 Tagen danach entwickelte.


Statistisch gesehen zeigte sich: Wer am Nachmittag operiert wurde, hatte grössere Chancen als Patienten, bei denen der Eingriff auf den Morgen angesetzt war. Konkret massen die Forscher in Frankreich ein halbiertes Risiko, später einen schweren Herzvorfall zu erleiden – einen Infarkt, einen akuten Herzstillstand oder auch den Tod. 
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Nachoperations-Vorfälle bei 596 Patienten | Tabelle: Montaigne et al./«The Lancet»
Beobachtet wurden dabei komplexe Eingriffe, die zugleich aber alle von sehr erfahrenen Herzchirurgen durchgeführt wurden. In einem weiteren Schritt beobachteten die Forscher 88 Patienten, die sich aktuell einer Herzklappen-Operation unterziehen mussten. Auch hier zeigte sich, dass die Menschen, die am Nachmittag operiert wurden, offenbar besser dran waren: Es liess sich bei ihnen seltener nachoperative Gewebsschädigungen feststellen.

Belastbarer gegenüber Sauerstoffmangel

Den Forschern ging es dabei nicht darum, die Fitness der Operateure am Morgen beziehungsweise am Nachmittag zu vergleichen – eher wollten sie der Wirkung der inneren Uhr beziehungsweise des zirkadianen Rhythmus in der Herzchirurgie nachgehen.
Bei den «live» beobachteten 88 Patienten fanden sie einen um 20 Prozent tieferen Wert des Enzyms Troponin-T, was ein Hinweis darauf ist, wie sehr der Herzmuskel bei der Operation belastet wurde. Grundsätzlich zeigte sich, dass die Patienten am Nachmittag Sauerstoffmangel eher «verarbeiten» konnten.
David Montaigne und seine Kollegen stellen aber selber klar, dass die Basis noch zu unklar sei, als dass man die Operationspläne unter solchen Gesichtspunkten umstellen müsste.
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