Bald fehlen 4'000 Hausärzte in der Schweiz

Im Schnitt sind die Hausärzte heute zwar zufriedener als noch vor zehn Jahren, und viele möchten übers Pensionsalter hinaus arbeiten. Doch all dies hilft wenig gegen die immer weiter klaffenden Lücken. Dies besagen neue Daten des Berufsverbandes.

, 31. März 2016, 12:51
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Das universitäre Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel hat im Auftrag des Berufsverbands der Schweizer Haus- und Kinderärzte (mfe) eine Umfrage bei über 1'300 Hausärzten durchgeführt.
Entstanden ist zwischen September 2015 und Mitte Januar 2016 die sogenannte «Work Force Studie 2015» – so wie sie vor zehn Jahren erstmals durchgeführt worden war. Das sind die wichtigsten Resultate:
Hausärzte sind heute zufriedener: Die Arbeitszufriedenheit stieg in den letzten 10 Jahren von 55 Prozent auf 75 Prozent. Trotzdem scheinen die Hausärzte mit einem Zufriedenheitswert von 5.1 im Vergleich zur erwerbstätigen Allgemeinbevölkerung (5.3) weniger zufrieden.
Weniger Stress-Erfahrungen: Während der «errechnete» Stress-Faktor 2005 bei 2,5 gelegen hatte, ergab die Umfrage für 2015 die Zahl 2,4. Hausärzte empfinden also heute weniger Stress-Symptome als noch vor zehn Jahren.
Weniger Arbeitsstunden: Vor zehn Jahren arbeiteten Hausärzte noch rund 50 Stunden. Bei der aktuellen Umfrage kommen die Mediziner im Schnitt noch auf knapp 47 Stunden.
Man bleibt länger aktiv
: 15 Prozent der aktuellen hausärztlichen Arbeit wird von Ärzten mit Alter über 65 erbracht.
Fortsetzung der Praxistätigkeit: Aktuell plant knapp die Hälfte der Befragten, die Praxistätigkeit über das Alter 65 hinaus fortzusetzen und mit einem durchschnittlichen Alter von knapp 70 Jahren die Praxis aufzugeben. Vor zehn Jahren waren es rund ein Drittel gewesen. Das sei ein «unerwartetes Resultat», sagte Andreas Zeller, Leiter für Hausarztmedizin beider Basel und Mitverfasser der Studie.
Veränderung der Praxistypen: Die Zahl der Einzelpraxen ist zwischen 2005 und 2015 um einen Drittel zurückgegangen, während sich die Zahl der Gruppenpraxen fast verdreifacht hat.
Gruppenpraxen: Angehende Hausärzte wünschen sich Gruppenpraxen und wollen mehrheitlich auf dem Land oder in der Agglomeration tätig sein. Nur 17 Prozent möchten in der Stadt arbeiten.
Optimales Arbeitspensum: Für die jungen Hausärzte liegt das optimale Arbeitspensum bei 70 Prozent (Frauen 60-70 Prozent, Männer 75-80 Prozent).
Überalterung: 
Der Anteil an Hausärzten rund um die Pensionierung ist stark gestiegen, der Nachwuchsbedarf ist gross und dringend. 2005 waren die meisten Hausärzte zwischen 45 und rund 60 Jahre alt, das Durchschnittsalter betrug 51 Jahre (Männer 52, Frauen 48). Heute liegt der Altersdurchschnitt bei über 55 Jahren.
Sorge um Nachfolge: Die Befragten empfinden den Hausarztmangel in ihrer Region nach wie vor als sehr gross, mit rund 75 Prozent Zustimmung.
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Die Schweiz braucht bis in zehn Jahren 4'000 neue Hausärzte (Grafik: mfe; Uni Basel)

Prognostizierte Entwicklung der Versorgung
: Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird ein Verlust an Arbeitszeit der heute tätigen Hausärzte von über 60 Prozent anfallen. Bis 2030 sind es sogar 80 Prozent. Peter Tschudi vom Institut für Hausarztmedizin der Uni Basel spricht von einem «dramatischen Einbruch». Bis 2020 werden über 2'000 neue Vollzeit- Hausärzte benötigt, nur um den zu erwartenden Verlust an Arbeitszeit der heute tätigen Hausärzte zu kompensieren; bis 2025 sind es sogar über 4'000.

Versorgungslücke von 60 Prozent: Bereits heute fehlen in der Schweiz über 2'000 Vollzeit- Hausärzte, um die empfohlene Versorgung zu erreichen (1 Hausarzt auf 1'000 Einwohner). Werden noch die Abgänge und die Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt, und nimmt man weiter an, dass 20 Prozent der Medizinstudierenden sich für die Hausarztmedizin entscheiden, ist in zehn Jahren eine Versorgungslücke von 60 Prozent zu decken – also von über 5'000 Vollzeit-Hausärzten.
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