Gruppenpraxen: Gut bezahlte Ärzte, gute Renditen

In den nächsten Jahren dürften mehrere hundert Millionen Franken in die Lancierung neuer Schweizer Ärztezentren gesteckt werden.

, 12. Februar 2016 um 09:30
image
  • praxis
  • ärztezentren
  • medix
  • medgate
  • medbase
Mehrere hundert Millionen Franken für neue Gruppenpraxen, mehr als eine Milliarde in die ambulante Versorgung insgesamt: Dies zwei Zahlen, die sich in einem interessanten Beitrag der «Aargauer Zeitung» finden. Der Artikel ging dem Boom der Ärztezentren nach – einem bekannten Phänomen –, und so äussert Felix Huber von der Medix-Gruppe darin eine klare Prognose: In den nächsten fünf Jahren dürften schweizweit mehr als 100 Gruppenpraxen eröffnet werden.
Medix selber will dieses und nächstes Jahr vier weitere Praxen im Grossraum Zürich an den Start bringen, Investitionsvolumen: rund 10 Millionen Franken.

Und wer bezahlt das?

Bekannt ist ja, dass eine gewisse «Industrialisierung» in diesem Bereich eingesetzt hat, was im Einstieg der Migros bei den Santémed-Gesundheitszentren besonders greifbar wurde. Damit entsteht eine Gruppe mit 35 Gesundheitszentren – und Ausbauplänen insbesondere in der Romandie und im Tessin. 
Als mahnende Stimme erscheint im Beitrag der AZ Andy Fischer: Der Gründer von Medgate erwartet, dass in den nächsten fünf Jahren über eine Milliarde in die ambulante Grundversorgung fliessen werden – was zu viel sein könnte und einen Kostenanstieg im ambulanten Bereich nach sich ziehen dürfte. Fischers Firma Medgate, gross geworden mit Telemedizin, will selber in den nächsten Jahren etwa acht bis zehn Ärztezentren lancieren, primär in der Nordwestschweiz, in der Romandie und im Tessin.

200'000 Franken «plus eventuell ein Bonus»

Kommt hinzu, dass Spitäler ebenfalls stark in Gruppenpraxen investieren. Und die Hirslanden-Gruppe, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, startete zu Jahresbeginn eine Gruppenpraxis in Düdingen – ihre vierte bislang.
So weit, so logisch. Der AZ-Artikel erinnert aber auch an ein kaum beachtetes Nebenphänomen – den Kampf um die Ärzte, welche diese neuen Praxen betreiben. Ein qualifizierter Arzt verdiene 200’000 Franken «plus eventuell einen Bonus» pro Jahr, wird Felix Huber von Medix zitiert. Und weiter: «Trotz solchen Löhnen lässt sich mit gut funktionierenden Gruppenpraxen eine Umsatzrendite von fünf bis zehn Prozent erzielen.» 

  • Siehe auch: «Boni wie Banker: Ärzte kriegen eher Leistungslohn»

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

MFE Haus- und Kinderärzte: Umbau an der Spitze

Präsident Philippe Luchsinger ist zurückgetreten. Monika Reber und Sébastien Jotterand lösen ihn ab. Und es gab weitere Wechsel im Verband.

image

Wallis soll ein Institut für Hausarztmedizin erhalten

Das neue Programm könnte in wenigen Jahren starten.

image

Dem Tardoc droht eine weitere Ehrenrunde

Das Departement des Innern will das Tarifwerk Tardoc und die ambulanten Pauschalen gleichzeitig einführen. Neue Zielmarke: 2027.

image

Deutschland: «Wir haben 50’000 Ärzte zuwenig ausgebildet»

Der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer ganz schwierigen Versorgungslage: «Das kann man sich noch gar nicht richtig vorstellen.»

image

Spital Männedorf verärgert Goldküsten-Kinderärzte

Die neue Spital-Kinderarztpraxis in Männedorf sorgt für rote Köpfe bei den ansässigen Pädiatern. Es ist von Falschaussagen und einem Abwerben der Neugeborenen die Rede.

image

Arzt-Rechnung an Patienten statt an Kasse: Das empfiehlt die FMH

Immer mehr Krankenkassen wollen Arzt-Rechnungen direkt begleichen. Die FMH hingegen empfiehlt: Die Rechnung soll zuerst an die Patienten gehen.

Vom gleichen Autor

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.

image

Kantone haben die Hausaufgaben gemacht - aber es fehlt an der Finanzierung

Palliative Care löst nicht alle Probleme im Gesundheitswesen: … Palliative Care kann jedoch ein Hebel sein.

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.