Grundversorgung: Bundesrat will Position der Apotheker stärken

Die Schweizer Apotheker sollen zusätzliche Aufgaben in der ambulanten Versorgung übernehmen. Pharmasuisse unterstützt den Plan – und fragt: Was heisst das für die Vergütung?

, 26. Oktober 2016, 10:02
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Die Schweizer Apotheker dürften künftig zusätzliche Aufgaben in der ambulanten medizinischen Versorgung übernehmen – etwa bei der Abgabe von Medikamenten bei leichten Erkrankungen, in der Prävention, bei der Begleitung chronisch kranker und betagter Menschen. Dies zeigt der Bundesrat in einem neuen Bericht auf.
Zusammengefasst heisst das: Die Apotheken sollen stärker als Beobachtungs-, Beratungs- und Koordinationsstelle eingesetzt werden.
Thema des Berichts ist die Positionierung der Apotheken in der Grundversorgung. Der Bundesrat kommt darin zum Schluss, dass «in Anbetracht der künftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen eine Neupositionierung der Apothekerinnen und Apotheker in der Grundversorgung stattfinden soll».

  • Zu Bericht und Medienmitteilung: Positionierung der Apotheken in der Grundversorgung

In einem nächsten Schritt begleitet nun der Bund zwei Pilotprojekte wissenschaftlich. Untersucht werden dort die Chancen veränderter Team-Works im Falle von bestimmten Patientengruppen – konkret: bei Kindern sowie bei chronisch Kranken.

  • Spezialisierte Kinderapotheken Medinform: Die Ausbildung der Medinform Kinderapotheken läuft seit 2014 in der Deutschschweiz. Ziel ist eine bessere Versorgung in spezialisierten Kinderapotheken durch Zusammenarbeit von Apotheken, Kinder- und Hausärzten in einem lokalen Netzwerk, einschliesslich Schulung des Apothekenpersonals. Das BAG finanziert die Begleitforschung dieses Projekts an der Universität Basel. 
  • Interdisziplinäres Programm zur Förderung der Therapietreue bei Diabetikern: Ziel hier ist es, die Therapietreue bei Personen mit Diabetes Typ 2 zu verbessern. Im Zentrum stehen hier die Überwachung der Medikamenten-Einnahme, regelmässige Motivationsgespräche durch geschulte Apotheker und die Optimierung des Medikamentenplans unter Absprache mit dem behandelnden Arzt. Das BAG finanziert die wissenschaftliche Begleitung des Projekts an der Uni Lausanne.

Die Projekte sollen zeigen, ob die interdisziplinäre Zusammenarbeit hier zu einer Qualitätssteigerung bei der ambulanten Medikamentenversorgung führt – und unter welchen Rahmenbedingungen sich solche Zusammenarbeitsformen erfolgreich etablieren können. 

Es sei ja schon etwas geschehen

Der Bundesrat erinnert im Bericht auch daran, dass schon einiges unternommen worden sei, um die Apotheker besser einzusetzen. So werde es ihnen das revidierte Heilmittelgesetz erlauben, für leichte Erkrankungen gewisse verschreibungspflichtige Arzneimittel direkt abzugeben. Und das revidierte Medizinalberufegesetz sieht eine entsprechende Ausbildung vor.
Kurz: Erneut greift der Bundesrat hier ein latentes Kernthema der Gesundheitspolitik auf – die Frage nämlich: Wie können die Schwergewichte zwischen Arzt und Pflege, zwischen Spital und ambulanten Anbietern, zwischen Apotheken und anderen Grundversorgern angesichts der Kosten- und Mangel-Probleme ideal umgewichtet werden? 

Jetzt geht es um die Vergütungsmodelle

Den neuen Schritt nun begrüsst der Apothekenverband Pharmasuisse – zumindest grundsätzlich. «Das grosse, bisher ungenutzte Potenzial der Apotheken als erste Anlauf- und Orientierungsstelle bei gesundheitlichen Problemen ist mit diesem Bericht erfasst und bestätigt worden», sagt Verbandspräsident Fabian Vaucher.
Man begrüsse auch die erwähnten Pilotprojekte, um die Behandlungsqualität bei medikamentösen Therapien zu erhöhen.
Dennoch ortet Pharmasuisse weiteren Handlungsbedarf, vor allem bei den Vergütungsmodellen – wobei hier auch die Kantone gefordert seien. «Es ist nun aber auch an der Zeit, die Vergütungsmodelle zu überdenken, insbesondere bei der Optimierung der Arzneimitteltherapie zugunsten des Patienten», sagt Vaucher. Auch bei der interprofessionellen Zusammenarbeit brauche es neue Modelle, um diese Arbeiten an Schnittstellen tarifieren zu können.
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