Grosser Ansturm auf nicht-zugelassene Selbsttests

Die Nachfrage nach Corona-Selbsttests ist so gross, dass nun viele Firmen das grosse Geschäft damit machen. Obwohl die Tests derzeit gar nicht zugelassen sind.

, 31. März 2021 um 13:20
image
  • coronavirus
  • apotheken
  • bundesamt für gesundheit
  • politik
Käufer von Corona-Selbsttests ersehnen sich Gewissheit – und oft auch einen Freipass für grössere Freiheit. In den vergangenen Wochen wurden die Tests für zuhause sogar als «Game-Changer», als Allheilmittel oder als Wunderwaffe betitelt.

Noch kein Selbsttest zugelassen

Doch der Kauf eines teuren Test-Sets ist derzeit nicht empfehlenswert: Noch ist keiner der Selbsttests in der Schweiz zugelassen. Und die Test-Zertifikate, die man sich mit manchen Tests erstellen kann, nützen nichts, da sie nicht kontrollierbar sind.
Trotzdem ist der Ansturm auf die Selbsttests gross. Kein Wunder bieten Firmen für Medizin- und Laborbedarf im Internet solche Tests an – zum Leidwesen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Denn in der Schweiz ist es verboten, Tests zur Erkennung von übertragbaren Krankheiten an Laien zu verkaufen, wie BAG-Mediensprecher Jonas Montani gegenüber Medinside festhält.

Teure Tests aus dem Internet

Trotzdem bietet etwa die Herisauer Firma Qnius im Internet Fünferpacks von Antigen-Spucktests für rund 90 Franken an. Auch Acumax aus Bad Zurzach verkauft im Internet Selbsttests, weist aber immerhin darauf hin, dass der Bundesrat noch keine solchen Tests offiziell zugelassen habe.
Andere Firmen, etwa die Pfäffiker Firma Visomed, halten sich gemäss eigenen Angaben an die Vorschriften des Bundes und bieten Corona-Antigen-Schnelltests nur für den professionellen Gebrauch. Bestellen dürfen nur «medizinische Fachpersonen».

Wertlose Zertifikate in Deutschland

Im Internet haben sich auch schon kriminelle Machenschaften um den Verkauf von Selbsttests entwickelt: Dubiose Online-Shops locken Kunden mit besonders günstigen Angeboten zu den begehrten Selbsttests, liefern dann aber nur gefälschte oder gar keine Produkte.
In Deutschland stehen die Selbsttests – oder genauer die Test-Zertifikate, die sich damit erstellen lassen – in der Kritik. Auf den Tests gibt es einen QR-Code, der sich scannen lässt und mit welchem sich ein Zertifikat ausstellen lässt. Dabei gibt es drei Probleme:
  • Der QR-Code, der aussen auf der Verpackung angebracht ist, kann gescannt werden, ohne dass der Test überhaupt gekauft, geschweige denn angewendet wird.
  • Ob das Testergebnis stimmt, das im Zertifikat eingetragen wird, ist nirgends kontrolliert.
  • Für Computerfachleute ist es kein Problem, an die Daten mit den gespeicherten Testergebnissen zu kommen.
Fazit: Negative Test-Zertifikate aus Selbsttests sind wertlos, da sie sich nach Belieben erstellen lassen. Das BAG will auch keine solchen Zertifikate zulassen: «Die Regelung in der Schweiz sieht nicht vor, dass mit solchen Selbsttests offizielle Zertifikate, welche ein negatives Resultat bestätigen, ausgestellt werden können», sagt Jonas Montani.

In Deutschland bei Aldi erhältlich

In Deutschland verkaufen die Supermarktketten Aldi und Lidl sowie die Drogeriemärkte solche Selbsttests für fünf bis zehn Euro das Stück. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat inzwischen über 20 Selbsttests zugelassen.
In der Schweiz sind die Behörden einiges strenger und haben gestern einen einzigen Selbtstest zugelassen, der nur in Apotheken erhältlich sein wird: Es ist der Rapid-Antigen-Test Nasal von Roche. Dieser Selbsttest kann zuhause mit einem Nasenabstrich gemacht werden.

Am besten warten auf die Gratis-Selbsttests

Der Test wird ab dem 7. April in den Schweizer Apotheken erhältlich sein. Sämtliche Personen in der Schweiz können künftig pro Monat fünf Corona-Selbsttests gratis beziehen. Am besten warten Personen, die einen Selbsttest machen möchten, also noch bis nach Ostern.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Enea Martinelli

Wir verlieren wichtige Medikamente – für immer

Dass es bei Heilmitteln zu Lieferengpässen kommt, ist bekannt. Doch das Problem ist viel ernster. Zwei Beispiele.

image

Die Gesundheitskosten stiegen nochmals, aber…

Inzwischen liegen die Schweizer Gesundheitsausgaben über 90 Milliarden Franken. Allerdings: Man kann vorsichtig optimistisch sein.

image

Es bleibt dabei: Die Krankenkasse bezahlt den Zahnarzt nicht

Der Nationalrat lehnte einen Vorstoss dazu deutlich ab.

image

BAG: Neue Leiterin der Abteilung Internationales

Barbara Schedler Fischer folgt im August auf Nora Kronig Romero.

image

Notfall: 50 Franken für Bagatellfälle

Ein altes Anliegen kommt wieder aufs Tapet: Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellt zwei Varianten vor.

image
Gastbeitrag von Michael Jordi

Qualität ist keine Glaubensfrage

Bei der Qualität im Gesundheitssystem wird nicht zu viel gesteuert und vereinheitlicht – sondern eher zu wenig. Viele Akteure wollen einfach ihr eigenes Messsystem als Standard sehen.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.