Wo sich das Spitalpersonal impfen lässt. Und wo lieber nicht.

Das Pflegepersonal bleibt skeptisch –  und lässt sich auch in dieser Saison nur zögerlich gegen Grippe impfen. Ein Überblick der Akutspitäler zeigt zudem: Es gibt einen Impfgraben im Land.

, 18. Dezember 2017, 06:00
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Das Unispital Zürich wurde soeben vom «Landboten» ein bisschen an den den Pranger gestellt: Nur gut 11 Prozent des Pflegepersonals sind dieses Jahr gegen die Grippe geimpft, hatte die Zeitung recherchiert; damit lag die Quote leicht tiefer als in der Vorsaison. Dazu liess sich sogar Thomas Heiniger zitieren: «Absolut ungenügend», so die Note des Zürcher Gesundheitsdirektors im «Landboten» und im «Zürcher Unterländer»: «Es zeigt sich, dass nach wie vor grosser Handlungsbedarf seitens des Spitals besteht.»
Mittlerweile haben diverse Medien die Durchimpfungsraten vieler Spitäler eruiert und recherchiert, und es zeigt sich wieder einmal: Wenn die Quoten wachsen, dann tun sie es langsam. Sehr hohe Werte haben die Kinderspitäler – am Zürcher «Kispi» etwa liessen sich bislang 55 Prozent der Mitarbeitenden gegen die Grippe impfen, erfuhr der «Landbote» weiter. Und: In der Romandie ist die Quote doch höher als in der Deutschweiz. Hier ein Überblick:

Durchimpfungsraten Pflege & Ärzte, eine Auswahl:


  • Kinderspital Zürich 2017: Pflege: 49 Prozent | Ärzte: 74 Prozent
  • UKBB 2017: Pflege unter 50 Prozent | Ärzte: 70 Prozent
  • Insel Gruppe 2016: Pflege: 36 Prozent | Ärzte: 58 Prozent
  • Stadtspital Triemli 2017: Pflege: 35 Prozent | Ärzte: 56 Prozent
  • Spital Zofingen 2016: Pflege: 28 Prozent | Ärzte: 45 Prozent
  • Hirslanden Klinik St. Anna 2016: Pflege: 27 Prozent | Ärzte: 90 Prozent
  • Stadtspital Waid 2017: Pflege: 27 Prozent | Ärzte: 68 Prozent
  • Unispital Basel 2016: Pflege 22 Prozent | Ärzte: 52 Prozent
  • Zuger Kantonsspital 2016: Pflege 20 Prozent | Ärzte 53 Prozent
  • Solothurner Spitäler 2017: Pflege: 20 Prozent | Ärzte: 47 Prozent
  • Kantonsspital Baselland 2016: Pflege 13 Prozent | Ärzte: 44 Prozent
  • Luzerner Kantonsspital 2016: 12 Prozent | Ärzte: 54 Prozent
  • Spital Schwyz 2016: Pflege: 10 Prozent | Ärzte: gut 50 Prozent

Quellen: «Landbote», Dezember 2017 | «Schweiz am Wochenende», Oktober 2017 | «BZ Baselland», Oktober 2017 | «Luzerner Zeitung», Februar 2017 |  «Zofinger Tagblatt», Januar 2018  |  Spitäler

Gesamtimpfquote aller Angestellten, eine Auswahl:


  • CHUV Lausanne 2016: 48 Prozent
  • HUG Genf 2016: 46 Prozent
  • Insel Gruppe 2016: 40 Prozent
  • HNE Neuenburg 2016: 31 Prozent
  • Spital Männedorf 2016: 26 Prozent
  • Kantonsspital Winterthur 2017: 24,5 Prozent
  • Seespital Horgen 2016: 22,2 Prozent
  • Spital Limmattal 2017: 22 Prozent.
  • Hirslanden Gruppe 2016: 20,1 Prozent
  • Spital Bülach 2016: rund 20 Prozent
  • Universitätsspital Zürich 2016: rund 20 Prozent.

Quellen: «Landbote» | «Le Matin» | Spitäler
Oder etwas zusammengefasster: Im letzten Jahr lag die Quote bei den Mitarbeitenden der Zürcher Spitäler, die im Patientenkontakt stehen, bei 24,7 Prozent. 
Gebündelte landesweiten Daten sind nicht ganz aktuell erhältlich. 2015, so ist bekannt, erreichte die Impfrate beim Pflegepersonal 21 Prozent – nachdem sie zwei Jahre zuvor, also 2013, noch bei 17 Prozent gelegen hatte. Allerdings liegt auch dies an den klar impffreundlicheren Kolleginnen und Kollegen in der Romandie: Jenseits der Saane liegt die Durchschnittsquote bei 30 Prozent – in der Deutschschweiz indes bei rund 16 Prozent.

Kultur und Unternehmenskultur

Was lernen wir daraus? Erstens: Wie eifrig man impft, ist eine kulturelle Sache – wozu auch die Unternehmenskultur zählt. Nur so dürften sich die teils grossen Unterschiede zwischen einzelnen Akutspitälern erklären lassen, die teils recht nah beieinander liegen, ähnlich strukturiert sind und die letztlich ja auch aus demselben Personalpool schöpfen.
Zweitens: Das Pflegepersonal ist besonders skeptisch – es ist grippeimpfmuffeliger als der Durchschnitt des gesamten Spitalpersonals, während sich die Ärzte wohl ihrer Rolle als Vorbilder bewusst sind.
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