«Grey's Anatomy»-Patienten sterben dreimal häufiger

Bei der populären US-Serie «Grey's Anatomy» besteht zwischen Fiktion und Realität eine grosse Kluft. Diese vermittelt falsche Eindrücke der medizinischen Versorgung, wie Mediziner jetzt wissenschaftlich bestätigen.

, 21. Februar 2018, 10:46
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Fragt man echte Mediziner nach Arztserien wie «Grey's Anatomy», haben diese oft nur ein müdes Lächeln übrig. US-amerikanische Forscher haben nun wissenschaftlich untersucht, was McDreamy und Co. mit der Realität zu tun haben. 
Dazu verglichen die Wissenschaftler des St. Joseph's Spitals in Arizona fast 300 Folgen aus zwölf Staffeln mit der Nationalen Trauma Datenbank (NTBD), in der Informationen über mehr als 4'800 Verletzte in den USA gesammelt werden. 
Rosemarie O Serrone et al.: «Grey’s Anatomy effect: television portrayal of patients with trauma may cultivate unrealistic patient and family expectations after injury», in: «Trauma Surgery & Acute Care Open», Januar 2018.
Das nicht ganz überraschende Ergebnis der Analyse: Die beliebte Serie «Grey's Anatomy» kann tatsächlich zu einer verzerrten Vorstellung von Medizin führen. Denn die Realität ist weit davon entfernt, wie die Autoren im Fachmagazin «Trauma Surgery & Acute Care Open» schreiben. 
Die Forscher um Rosemarie O Serrone beobachteten:
  • 71 Prozent der Patienten mit Verletzungen wurden direkt nach der Notfallversorgung operiert. In der Realität sind es im Schnitt 25 Prozent.
  • Gestorben sind in der Serie mehr als 20 Prozent der Patienten, in der Realität sind es sieben.
  • Nur sechs Prozent der Patienten kamen in Langzeitpflege; im echten Leben liegt die Quote bei 22 Prozent.
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