Gesundheitsdirektoren fürchten sich vor dem 1. Oktober

In zweieinhalb Monaten sind Grossveranstaltungen wieder erlaubt. Die Kantone müssen dann zum Rechten schauen.

, 12. August 2020, 13:40
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Eigentlich wollten die kantonalen Gesundheitsdirektoren, dass alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis Ende Jahr verboten bleiben. Doch die gebeutelte Sport- und Kulturbranche hatte beim Bundesrat Erfolg mit ihren Einwänden.

Kantone müssen Bewilligungsregeln aufstellen

Ab 1. Oktober sind auch grosse Events wieder erlaubt. Aber: Die Kantone müssen sie bewilligen. Dahinter steckt eine gute Absicht: Der Bundesrat will nicht mehr pauschal alle Grossveranstaltungen verhindern, weil nicht alle dieselben Risiken bergen. Es gebe Grossanlässe, bei denen der Mindestabstand weitgehend eingehalten werden kann, schreibt der Bundesrat in seiner Mitteilung.
Die Kantone hätten nun genug Zeit, um ihre Bewilligungsregeln vorzubereiten und das Personal für die Rückverfolgung der Kontakte aufzustocken, findet der Bundesrat.

Kantone dürfen auch verbieten

Er betont auch, dass die Kantone keineswegs jede Veranstaltung bewilligen müssten. Wenn es zu viele Ansteckungen und zu wenig Personal für die Kontaktverfolgung gebe, könne ein Kanton die Durchführung auch verbieten.
Über so viele Freiheiten sind die kantonalen Gesundheitsdirektoren allerdings alles andere als glücklich. Nun müssen nämlich sie und nicht mehr der Bundesrat darüber entscheiden, ob eine Veranstaltung riskant ist oder nicht.

Viele verschiedene Kantonsregeln sind unerwünscht

«Diese Regelung kann nur funktionieren, wenn sie schweizweit einheitlich umgesetzt wird», mahnt die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) in einer Mitteilung.
Es brauche deshalb griffige Bewilligungskriterien auf nationaler Ebene. Zu den einheitlichen Kriterien gehören für die Gesundheitsdirektoren auch taugliche Schutzkonzepte.

Engelberger: Veranstalter sind ebenfalls verantwortlich

Die GDK fürchtet, dass wegen der Grossveranstaltungen ab 1. Oktober die Fallzahlen wieder ansteigen könnten. Die Massnahmen, die man dann treffen müsse, würden aber nicht nur die Veranstalter, sonder wiederum die ganze Wirtschaft treffen.
GDK-Präsident Lukas Engelberger redet den Veranstaltern deshalb bereits jetzt ins Gewissen: «Es hängt massgeblich von den Sport- und Kulturorganisationen ab, ob sich die Öffnung im Bereich der Grossveranstaltungen bewährt.»
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