Generika in der Schweiz immer noch doppelt so teuer

Generika sind in der Schweiz im Durchschnitt immer noch doppelt so teuer wie im vergleichbaren Ausland. Dies zeigt der aktuelle Preisvergleich von Santésuisse und Interpharma.

, 16. April 2019 um 07:57
image
  • santésuisse
  • interpharma
  • medikamente
  • generika
Das Preisniveau von patentgeschützten Medikamenten ist im April in neun europäischen Vergleichsländern sieben Prozent tiefer als in der Schweiz. Dies zeigt der zehnte gemeinsame Auslandpreisvergleich zwischen rund 250 patentgeschützten Medikamenten der Spezialitätenliste, durchgeführt von Santésuisse und dem Branchenverband Interpharma.
Beim letzten Preisvergleich im Mai 2018 waren diese Medikamente noch neun Prozent teurer gewesen als im Durchschnitt der Vergleichsländer. Die Preisdifferenzen zum Ausland haben im Vergleich zum Vorjahr weiter abgenommen. Die beiden wichtigsten Gründe dafür seien die Wechselkursentwicklung und die regelmässigen Preisüberprüfungsrunden, heisst es. 

Massive Preisdifferenz bei Generika 

Auch patentabgelaufene Originalpräparate waren im Februar 2019 in den europäischen Vergleichsländern im Durchschnitt 14 Prozent günstiger als in der Schweiz, wie aus dem Preisvergleich hervorgeht. 
Die Analyse, welche die Fabrikabgabepreise von Medikamenten mit dem europäischen Ausland vergleicht, zeigt weiter: Generika sind in der Schweiz im Februar im Durchschnitt immer noch doppelt so teuer wie in den Vergleichsländern. Hier beträgt die Preisdifferenz 48 Prozent.

Beleg für Referenzpreissystem

«Weil der Generika-Anteil mit 23 Prozent tief ist und die Preise im Vergleich zum Ausland doppelt so hoch sind, könnten wir mehrere hundert Millionen Franken sparen - ohne Qualitätsverlust», sagt Santésuisse-Direktorin Verena Nold. Deshalb möchte der Krankenversicherungsverband unbedingt das Referenzpreissystem einführen.
Der Verband Intergenerika bezeichnet solche Auslandspreisvergleiche als «methodisch fragwürdig». Es werde zudem verschwiegen: «Generika in der Schweiz sind keine Kostentreiber, vielmehr fallen die Preise kontinuierlich seit Jahren», sagt Intergenerika-Geschäftsführer Axel Müller.

Generikapreise sinken in der Schweiz

Die direkten Einsparungen aus der generischen Substitution sind laut Müller im letzten Jahr auf 448 Millionen Franken angewachsen. Und wären konsequent Generika anstelle der teureren Originalmedikamente verschrieben worden, hätten bis zu 196 Millionen Franken weitere Einsparungen erzielt werden können.
Im vergangenen Jahr sind für 1'050 Millionen Franken kassenzulässige Generika zu Publikumspreisen verkauft worden.  Dies ergibt eine Erhebung der Beratungsfirma Bwa Consulting. Das sind 3.5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 
Fabrikabgabepreise in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden. Wechselkurs CHF/EUR 1.11 (BAG)
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Enea Martinelli

Wir verlieren wichtige Medikamente – für immer

Dass es bei Heilmitteln zu Lieferengpässen kommt, ist bekannt. Doch das Problem ist viel ernster. Zwei Beispiele.

image

Bristol Myers Squibb: Neue Medizinische Direktorin

Carmen Lilla folgt auf Eveline Trachsel, die in die Geschäftsleitung von Swissmedic wechselte.

image

Ozempic und Wegovy: Boom in den Fake-Apotheken

In den letzten Monaten flogen hunderte Anbieter auf, die gefälschte Abnehm- und Diabetesmittel verkauften.

image

Schwindel-Medikament könnte bei tödlicher Krankheit helfen

Forschende des Inselspitals und der Uni Bern entdeckten das Potenzial eines altbewährten Medikaments gegen die seltene Niemann-Pick Typ C Krankheit.

image

Polymedikation: Grosse Unterschiede zwischen den Heimen

Rund 50’000 Menschen erhalten in den Schweizer Pflegeheimen mehr als 9 Wirkstoffe pro Woche.

image

Neuer Lonza-Chef kommt vom kleinen Hersteller Siegfried

Der neue Chef von Lonza heisst Wolfgang Wienand. Er löst den Interims-Chef Albert Baehny ab.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.