Globaler «Gender Gap»: Frauen sterben viel häufiger an Herzinfarkt als Männer

Die Mortalität von Frauen mit einem schweren Herzinfarkt ist doppelt so hoch. Es dauert auch viel länger, bis sie behandelt werden. US-Forscher gingen diesem Geschlechterunterschied auf den Grund.

, 5. April 2016, 12:00
image
  • praxis
  • kardiologie
  • forschung
Geht es um schwere Herzinfarkte, haben Frauen auf der ganzen Welt schlechtere Karten als Männer. Ihre Sterberate ist doppelt so hoch. Dies zeigt eine Studie der Yale University, die am Jahreskongress der Kardiologiegesellschaft American College of Cardiology (ACC) präsentiert wurde. Nun fordern die Forscher internationale Vorstösse, den Unterschied zu beheben.
Herzkrankheiten sind weltweit die häufigste Todesursache. Anstrengungen, die Mortalität für den ST-Hebungsinfarkt (STEMI) als schwerster Form des Herzinfarkts zu senken, führte zwar tatsächlich zu einer Reduktion der Sterberaten. Gleichzeitig nahmen aber die Geschlechterunterschiede zu, wie die Studie zeigt.  
Es handelt sich um die grösste je durchgeführte Metaanalyse von STEMI-Infarkten. Analysiert wurden 700'000 Patienten in 29 Ländern.
Zur Mitteilung der Universität Yale: «Gender gap in Death from heart attack is global, Yale-led Study finds»
Gemäss der Studie erhielten Frauen die lebensrettende Infusion durchschnittlich 5,3 Minuten später als Männer. Gemessen wurde dies an der so genannten Door-to-balloon-Zeit, also der Zeit zwischen dem Eintritt des Patienten ins Krankenhaus bis zum Beginn der Infusion für die Wiederherstellung des Blutkreislaufs. Diese Verspätung ist darum bemerkenswert, weil das Überleben von Herzinfarktpatienten massgeblich von der Behandlungsdauer abhängt: Je kürzer diese ist, desto besser. 
Auch ein zweites Resultat lässt aufhorchen: Die Mortalität der Frauen während dem Spitalaufenthalt ist doppelt so hoch wie die der Männer. Über den ganzen Behandlungszeitraum - also auch für die Zeit nach dem Spitalaustritt - liegt sie um 70 Prozent höher. 
Laut den Verfassern der Studie bestehen die Geschlechterunterschiede in allen Ländern - auch in den USA und Europa, wo Initiativen am Laufen sind, um die Behandlung von Herzinfarktpatienten allgemein zu verbessern. 

Frauen haben mehr Risikofaktoren

Die Wissenschaftler nennen einige Gründe für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: So haben Frauen höhere Risikofaktoren, da sie im Fall eines Herzinfarkts generell älter sind als Männer und häufiger unter Diabetes leiden. Auch mangelndes Bewusstsein für die Symptome eines Herzinfarkts spielen eine Rolle. Hinzu kommen finanzielle, soziale und kulturelle Hindernisse. 
Studienautorin Alexandra Lansky, Kardiologin der Yale University, fordert eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsbehörden aller Länder, um die Geschlechterunterschiede zu beheben. Die Professorin gehört zu den treibenden Kräften der Initiative GLOW - Global Lumen Organization for Women. Diese  hat zum Ziel, auf Regionen angepasste Programme zu entwickeln und umzusetzen, damit Frauen mit der gleichen Versorgung rechnen können wie Männer.

(Bild: Flickr CC)
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

ETH-Forschende züchten künstliches Gehirn-Gewebe

Mit den sogenannten Organoiden lassen sich Nervenerkrankungen erforschen und vielleicht Transplantations-Organe züchten. «Stark» daran interessiert ist die Pharma.

image

Endometriose-Tests ohne Bauchspiegelung

Die Berner Uniklinik sucht Lösungen, um schnelle und nicht-invasive Endometriose-Tests anhand von Menstruationsproben zu entwickeln.

image

Krebsdiagnose: Neue Methode verspricht weniger Nebenwirkungen

Schweizer Forschende haben eine Methode für die Diagnose von Tumoren verbessert. Damit sollen Nebenwirkungen in der Niere geringer ausfallen.

image

Darum sprechen psychisch Kranke oft von Krieg und Reisen

Wer unter psychischen Störungen leidet, benutzt oft Kriegs- oder Reisemetaphern, um sein Leiden zu beschreiben. Forscher wollen das nutzen.

image

Antibiotika: So könnten die Verschreibungen reduziert werden

Mit Hilfe von Krankenkassendaten liessen sich Verschreibungen überwachen und mit einem einfachen Test reduzieren. Die Basler Forscher stiessen während der Projektphase damit aber auf taube Ohren.

image

Viren-Alarm: Forscher entwickeln Maske, die Corona erkennt

Chinesische Wissenschaftler haben eine Gesichtsmaske erschaffen, die drei Virentypen, darunter Sars-CoV-2, aus der Luft nachweist und den Nutzer warnt.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.