Gebt den Patienten weniger Medikamente!

Die Denkanregung des Tages stammt von drei US-Wissenschaftlern: Sie rufen dazu auf, Arzneien viel restriktiver einzusetzen – aus Sicherheitsgründen.

, 19. Juni 2015 um 13:29
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Die Idee haben wir auf dem amerikanischen Informationsportal «Quartz» gefunden: Drei Ärzte respektive Kommunikationswissenschaftler lancierten dort den Aufruf, den Patienten grundsätzlich restriktiver Medikamente zu verabreichen. 
«Spitäler können Todesfälle vermeiden, indem sie die Medikation senken», so der Titel des Op-Ed-Beitrags. 
Die Grundidee mag gerade in der Schweiz auf Interesse stossen – wo ja derzeit Economiesuisse, Spitäler, Fachhochschulen und der Logistikverband GS1 nach IT- und Ablauf-Lösungen suchen, um die Zahl der Fehlmedikationen zu senken.

Keine eigenen Medikamente

Das Problem ist bekanntlich ernsthaft: Laut einer Studie in den USA geschieht in amerikanischen Spitälern ein Medikamentenfehler pro Patient pro Tag. Die Grundidee der Autoren Bruce Lambert, William Galanter und Robert McNutt ist nun also denkbar simpel: Die Anzahl der Arzneien, die einem Patienten im Spital verabreicht werden, müsste gesenkt werden – und in der Folge passierten zwangsläufig weniger Fehler.
Ein erster Schritt dazu: Alle privaten Medikamente, die der Patient bislang zu Hause genutzt hat, sollten beim Spitaleintritt abgesetzt werden. Es sei denn, es gibt zwingende medizinische Gründe für die Fortführung.
Die Autoren: Bruce L. Lambert ist Direktor des Zentrums für Gesundheits-Kommunikation an der Northwestern University. William Galanter ist Health Information Offiver am Spital der University of Illinois. Robert McNutt ist stellvertretender Chefredaktor des Journal of the American Medical Association. 
Beim Austritt raten die Wissenschaftler zur umgekehrten Faustregel: Ein Spital soll wirklich nur Medikamente mit auf den Weg geben, die zwingend sind. 
Das tönt teils einleuchtend, teils problematisch. Lamberg, Galanter und McNutt raten aber letztlich nur dazu, dass sich das medizinische Personal jeweils streng überlegen sollte, ob der Grenznutzen eines Mittels gross genug ist, um das Risiko von Fehlmedikationen, durch Komplexität oder durch Medikamenten-Interferenzen aufzuwiegen.

Das Zwei-Listen-Prinzip

Konkret hiesse dies, dass Regeln erarbeitet werden müssten, nach denen entschieden wird, welche Medikamente im Spital abgesetzt werden sollten.
Die Idee en detail: Es müssten zwei Listen erarbeitet werden, nämlich…

  • … eine Liste mit Mitteln, die während eines Spitalaufenthalts fast nie abgesetzt werden sollten;
  • … eine Liste mit Arzneien, die unter normalen Umständen meist abgesetzt werden könnten.

Auf Liste eins fänden sich also überlebensrelevante Wirkstoffe – etwa Mittel gegen Diabetes, hohen Blutdruck, HIV, Herzkrankheiten sowie Onkologika. Und auf Liste zwei wären beispielsweise viele Symptombekämpfungs-Arzneien.
Eine derartige Liste, eingeführt und durch die Fachverbände abgesegnet, wäre für die drei Wissenschaftler jedenfalls besser als die heutigen Automatismen: Denn diese führten oft einfach dazu, dass das bestehende Medikamentenregime unbesehen fortgesetzt wird.


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