«Es wäre nicht seriös, den Leuten in der Pflege pauschal höhere Löhne in Aussicht zu stellen»

Lukas Engelberger, der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, sagt in einem Interview, wie der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden kann.

, 18. Juni 2020, 06:43
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Lukas Engelberger hat Verständnis für die Forderungen des Pflegepersonals nach höheren Löhnen. Er warnt aber gleichzeitig vor «Illusionen»: «Die Lohnkosten machen den grössten Anteil der Gesundheitskosten aus», sagt er in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen. Es wäre für den obersten Gesundheitsdirektor «nicht seriös», den Leuten in der Pflege «pauschal höhere Löhne» in Aussicht zu stellen.
Ihm zufolge dürfen die Personalkosten insgesamt nicht weiter ansteigen, weil ein weiterer Anstieg der Gesundheitskosten für die Bevölkerung nicht akzeptabel sei. 

Ärztliche Aufgaben zu den Pflegefachleuten verschieben

Zudem ist schon einiges passiert, wie der Jurist weiter sagt. Die Einsteigerlöhne seien bereits deutlich erhöht worden. «Wir wollen den Pflegeberuf attraktiv erhalten.» Ein Element seien die Weiterentwicklungsmöglichkeiten: In der Pflege könne man sich bis zum Master weiterbilden, so der neue Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK). 
«Darum werden wir in Zukunft ärztliche Aufgaben zu den Pflegefachleuten verschieben.» Diese spezialisierten Pflegekräfte werden laut Engelberger anspruchsvollere Tätigkeiten übernehmen und können damit auch ihren Lohn verbessern.

Sind sehr hohe Ärztelöhne gerechtfertigt?

Für knappe Funktionen wie Intensiv-Pflegekräfte wäre seiner Ansicht nach ferner ein «Reservepool» von Fachpersonal «ideal», das man bei Bedarf einsetzen könnte. Das habe habe seinen Preis. Wer in einem solchen Pool sei, werde einen höheren Lohn erhalten müssen.
Der 45-jährige CVP-Vorsteher des Gesundheitsdepartements von Basel-Stadt äussert sich im Interview schliesslich auch zu den Ärztelöhnen: Es gibt Ärztinnen und Ärzte, die tatsächlich sehr hohe Einkommen haben. Hier könne man sich fragen, ob diese Löhne gerechtfertigt seien. Da werde man sich annähern müssen, zu den neuen Ansprüchen der Pflegenden.
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