Echinacea: Wirkung beim Menschen ist nicht belegt

Die Zulassungs- und Aufsichtsbehörde findet die Anpreisung des Einsatzes von Echinaforce® gegen Coronaviren unzulässig. Aus Gründen der Patientensicherheit.

, 17. September 2020, 05:59
image
  • medikamente
  • coronavirus
  • trends
Medienberichte über eine im «Virology Journal» publizierte Laborstudie, wonach ein pflanzlicher Extrakt von Echinacea purpurea – unter anderem – im Reagenzglas auch Coronaviren abtöten könne, haben zu einer grossen Nachfrage nach Präparaten mit diesen Extrakten geführt. Eine entsprechende Wirkung beim Menschen ist aber nicht belegt. Dies schreibt die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte Swissmedic.
Die publizierten Studienergebnisse werden laut Swissmedic teilweise falsch interpretiert: Die Untersuchungen im Labor wurden gemäss der Behörde mit Zellkulturen (in-vitro) gemacht. Es gebe bisher keine Untersuchungen, die auch eine Wirkung gegen das neue Coronavirus im Menschen (d.h. in-vivo) belegen. 

Bei Versuchen am Menschen wirkungslos

Die in Zellkulturen vorherrschenden Bedingungen könnten ferner nicht mit jenen in einem Organismus (Menschen) verglichen werden. Die Daten aus einer in-vitro-Studie seien kein Beweis für die Wirksamkeit eines Wirkstoffs am Menschen (in-vivo). Es komme öfter vor, dass Substanzen bzw. Wirkstoffe in Zellkulturen (in-vitro) eine Wirkung zeigten, bei Versuchen am Menschen aber wirkungslos seien.
Aufgrund der fehlenden Untersuchungen der genauen Wirkung von Echinacea-Extrakten an Menschen ist die Anpreisung des Einsatzes von Echinaforce® gegen Coronaviren aus Gründen der Patientensicherheit nicht zulässig, wie die Zulassungs- und Aufsichtsbehörde klar festhält. Die Anpreisung sei als Täuschung der Konsumenten einzustufen, da diese von einer Wirkung beim Menschen ausgehen und sich möglicherweise in einer falschen Sicherheit wiegen.

Kauf im Internet als Gesundheitsrisiko

Der öffentlichen Berichterstattung folgten zahlreiche illegale Angebote von Echinaforce®-Präparaten auf verschiedenen Online-Plattformen im Internet und auf Social Media. Swissmedic weist in der Mitteilung deshalb erneut darauf hin, dass der Kauf von Arzneimitteln im Internet aus unbekannten Quellen hohe gesundheitliche Risiken berge, da die Qualität nicht gesichert sei. 
Verkäufer, die Arzneimittel über Online-Portale anbieten, machen sich gemäss Behörde zudem strafbar. Sofern die Betreiber der Online-Plattformen nicht bereits selber aktiv wurden und entsprechende Angebote vom Netz genommen haben, veranlasst Swissmedic die Löschung solcher Angebote, da Arzneimittel nicht über diese Plattformen vermittelt werden dürfen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Deshalb heissen Affenpocken nun Mpox

Das kommt sehr selten vor: Die WHO hat eilig den Namen einer Krankheit geändert. Weil «Affenpocken» zum Schmähwort geworden ist.

image

Der ORBIS U Frame wird pilotiert

«Willkommen bei ORBIS» – seit vielen Jahren begrüsst ORBIS NICE seine Anwender mit diesen Worten. Als Marktführer im deutschsprachigen Raum hat ORBIS täglich viele tausend Nutzer aus allen Arbeitsbereichen eines Krankenhauses.

image

Bernerin erhält Geld für ihre Medikamenten-Forschung

Eine Apothekerin am Inselspital untersucht, wer nach einer Spitalbehandlung Probleme wegen Arzneimitteln bekommen könnte.

image

«Lehnen Sie den Wolf im Schafspelz ab»

Künftig sollen in der Schweiz auch Medizinprodukte aussereuropäischer Regulierungssysteme zugelassen werden können.

image

Neues Spezialisten-Team im Einsatz für Long-Covid-Patienten in Lausanne

Das Centre Leenaards de la Mémoire-CHUV hat eine neue Sprechstunde für Menschen, die an Long Covid leiden und neuropsychiatrische Komplikationen haben.

image

Diese App sagt jungen Frauen die Periode voraus

Nun gibt es auch für Mädchen eine Zyklus-App: Teena misst die Körpertemperatur und klärt die jungen Frauen über die Periode auf.

Vom gleichen Autor

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.

image

Insel Gruppe: Chefarzt Stephan Jakob gibt Leitung weiter

Joerg C. Schefold übernimmt die Klinikleitung der Intensivmedizin am Berner Inselspital. Er folgt auf Stephan Jakob, der in Pension gehen wird.