«Diese Zahl macht uns stolz»

Das Pflegezentrum Käferberg in Zürich fördert sehr gezielt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben der Mitarbeitenden. Das lohnt sich: Laut Betriebsleiter Andreas Senn ist die Fluktuation markant gesunken.

, 31. Oktober 2017 um 08:10
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Im Pflegezentrum Käferberg geniessen die Mitarbeitenden nicht nur eine grandiose Fernsicht auf Zürichsee und Alpen, sie freuen sich auch über Perspektiven im Job. Soeben wurde das Pflegezentrum mit dem «Prix Balance» des Kantons Zürich ausgezeichnet für die Arbeitsmodelle, die die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben fördern.
Betriebsleiter Andreas Senn kann damit die Früchte ernten, die er vor fünf Jahren säte. Damals stellte sich in einer Mitarbeiterbefragung heraus, dass «punkto Personalbindung Handlungsbedarf besteht». Ein Prozess kam in Gang, um die Identifikation des Personals mit dem Betrieb zu erhöhen. Mitarbeitende und Kader wurden in die Diskussionen einbezogen; eine Projektgruppe entwickelte ein ganzes Massnahmenpaket. 

Aufbau einer Teamkultur

Wichtigstes Thema war die Verbesserung der Work-Life-Balance durch die Einführung flexibler Arbeitsmodelle. Heute kann zum Beispiel eine Pflegende immer Freitagnachmittag früher gehen, um ihre Kinder von der Schule abzuholen. An anderen Tagen bleibt sie dafür zum Vorteil der Kolleginnen und Kollegen länger im Betrieb. 
Ein weiterer Fokus bestand im Aufbau einer Teamkultur. «Wir haben eine offene Kultur aufgebaut, in der sich Mitarbeitende und Kader auf Augenhöhe begegnen», sagt Andreas Senn. In der Folge habe die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden deutlich zugenommen. Dies drückt sich unter anderem in der Fluktuationsrate aus, die in den letzten fünf Jahren von 13,5 auf 7,5 Prozent gesunken ist. «Das ist ein schöner Wert, er macht uns stolz», so Senn. 
Diese Faktoren tragen zur Work-Life-Balance der Mitarbeitenden bei:

  • Teilzeitarbeit: Von den 305 festangestellten Mitarbeitenden am Pflegezentrum Käferberg (ohne Praktikanten und Lernende) arbeiten 146 Teilzeit. Bei den Frauen sind die Teilzeitmitarbeitenden sogar deutlich in der Mehrheit. 
  • Flexible Arbeitsmodelle und Ferienplanung: Mitarbeitende können zum Beispiel wählen, weniger Lohn für mehr Ferien zu beziehen oder zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr zu arbeiten und später zu kompensieren. 
  • Mitarbeiterpool: Ein Pool von Mitarbeitenden unterstützt die verschiedenen Abteilungen bei Personalengpässen. 
  • Kinderbetreuung: Mitarbeitenden des Pflegezentrums stehen Betreuungsplätze in der Kita im nahegelegenen Waidspital offen. 
  • Home Office: Mitarbeitende in bestimmten Funktionen können auch von zuhause aus arbeiten. 

«Alte Denkmuster hinterfragen»

Laut Andreas Senn galt es, mit der Neuorganisation «althergebrachte Denkmuster zu hinterfragen und zu verändern». Die Flexibilisierung sei «organisatorisch anspruchsvoll», zumal für eine Institution, die rund um die Uhr Pflege und Betreuung anbiete. «Es ist ein Geben und Nehmen», so Senn, «die Regelungen müssen für den Einzelnen stimmen aber auch dem Team zugutekommen». Die Gewährleistung des Betriebs sei immer noch oberstes Gebot. 
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