Diese Arztpraxis gibt es gratis auf Ebay

Ein Beispiel einer Arztpraxis aus unserem Nachbarland bestätigt: Für Allgemeinmediziner gestaltet es sich auch dort beinahe unmöglich, einen Nachfolger zu finden.

, 7. März 2019 um 06:00
image
Viele Hausärztinnen und Hausärzte sind verzweifelt auf der Suche nach einem Mediziner, der die Praxis übernimmt. Das gilt für die Schweiz und ist auch in Deutschland nicht anders. Die erfolglose Nachfolgersuche verleitet deshalb auch zu ungewöhnlichen Mitteln, wie ein Beispiel aus Deutschland zeigt. 
In unserem Nachbarland wird nämlich für eine Arztpraxis in der Nähe von Göttingen ein Arzt für die über 1'000 Patienten gesucht. Oder besser gesagt auf der Online-Verkaufsplattform Ebay gratis angeboten. Hintergrund ist der Tod des Inhabers. Der beliebte Arzt war 70 Jahre alt, als er vor Kurzem unerwartet verstarb.

Allgemeinpraxis zu verschenken

Die Anzeige auf Ebay:
Liebevolles dreiköpfiges Team sucht dringend eine(n) Nachfolger(in) für eine Allgemein- Hausarztpraxis in Worbis/Eichsfeld. Unser Chef, 30 Jahre hier als beliebter Allgemeinarzt niedergelassen, ist leider plötzlich verstorben. Er hinterlässt eine ertragsstarke Praxis mit einem großen Patientenstamm.
Die Praxis liegt zentral, verfügt über 10 eigene Parkplätze und ist auch mit Bus erreichbar. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Apotheke.
Uns liegt sehr viel daran, die Patienten weiter versorgt zu wissen. Wer kann sich einen kurzfristigen Beginn bis spätestens zum 1.6.2019 vorstellen? Eine Übergabe wäre kostenlos möglich.
Ebay verlangt leider eine Angabe....
Erste Interessenten für die allgemeinmedizinische Praxis haben sich Medienberichten zufolge bereits gemeldet. Bald sollen sich auch die ersten Bewerber vorstellen. Bis zu einer möglichen Übernahme führt ein befreundeter Arzt der Familie die Praxis. 

Variante: Verschenken

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Mediziner seine Praxis quasi verschenken will. Auch hierzulande war ein Hausarzt aus dem Kanton Solothurn verzweifelt auf der Suche nach einem Nachfolger. Der Mann griff dabei zum letzten Mittel: Er wollte nicht nur seine komplett ausgestattete und funktionstüchtige Arztpraxis verschenken. Nein, der Allgemeinmediziner wollte dem Nachfolger auch gleich noch den Mietzins für ein halbes Jahr erlassen. 
Doch es fand sich damals niemand, der das Geschenk des Mediziners annehmen wollte. Der Solothurner Arzt musste seinen Patienten die Dossiers schliesslich in die Hand drücken und ihnen mitteilen, dass es auch hier keine Nachfolge für seine Praxis gibt.
  • ärzte
  • praxis
  • ärztemangel
  • hausärzte
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Migros: 1,3 Milliarden Umsatz im Gesundheitswesen

Der Detailhandels-Konzern baut sein Healthcare-Netzwerk auch nach dem Abgang von Fabrice Zumbrunnen aus.

image

Ex-KSW-Chefarzt lanciert interventionell-radiologische Tagesklinik

Christoph Binkert verbündet sich mit dem Medizinisch-Radiologischen Institut MRI in Zürich.

image

In der Schweiz sind 1100 Ärzte mehr tätig

Die Arztzahlen in der Schweiz haben ein neues Rekord-Niveau erreicht: Es gibt nun 41'100 Berufstätige.

image

Der Erfinder des Ledermann-Implantats ist tot

Er war ein bekannter Implantologe, später auch Hotelier und Schriftsteller. Nun ist Philippe Daniel Ledermann 80-jährig gestorben.

image
Gastbeitrag von Peter Baumgartner

Ambulante Psychiatrie: Ohne neue Berufsprofile und KI wird’s kaum gehen

Der Fachkräftemangel in der Psychiatrie verlangt einen massiven Umbau der Versorgung. Aber wie? Ein realistisches Zukunftsszenario.

image

Und wie schliessen wir dann das EPD an unser KIS an?

Fast 400 Millionen Franken nimmt der Bund in die Hand, um das Gesundheitswesen zu digitalisieren. Zugleich nimmt er die Software-Anbieter und Spitäler in die Pflicht.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.