Die zehn grössten Tech-Gefahren in den Krankenhäusern von heute

Medtech-Spezialisten eruierten die riskantesten Punkte, die in heutigen Spital-Geräten lauern. Hätten Sie sie gekannt?

, 18. Dezember 2015, 08:20
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Das ECRI Institute ist eine Stiftung, die weltweit für erhöhte Sicherheit bei medizinischen Geräten und Technologie sorgen will. Die dort beschäftigten Forscher wagen jedes Jahr eine Analyse beziehungsweise Prognose, welche technologischen Gefahren die Spitäler in den kommenden Monaten am meisten beschäftigen werden.
Ein paar dieser Risiken sind bekannt und so drängend beziehungsweise gängig, dass sie immer wieder mal auftauchen. Aber acht der heiklen Punkte, die das ECRI Institute in seiner diesjährigen Liste der «Top Health Technology Hazards» aufführt, sind diesmal neu.

Ungenügende Reinigung flexibler Endoskope

Der kritische Punkt liegt hier laut dem ECRI darin, dass die Entfernung biologischer Ablagerungen vor der Sterilisierung oft ungenügend vollzogen wird. Besonders heikel seien die (ja auch allgemein als Keimschleudern gefürchteten) Duodenoskope.

Verpasste Alarme

Die gängigen Probleme sind hier, dass ein Alarm durch ein Medtech-Gerät nicht erkannt wird (etwa bei einer Infusionspumpe); dass das Gerät zwar den Fehler anzeigt, aber das Personal ihn nicht beachtet; oder dass das Personal den Fehler erfährt, aber erst verspätet reagiert. Das ECRI rät daher zu einem detaillierten Alarm-Mangement-Programm, in das alle Beteiligten integriert werden.

ECRI Institute: «2016 Top 10 Health Technology Hazards. What technology hazards are lurking in your hospital?», Dezember 2015.

Ungenügende Atemdepression-Überwachung von Patienten nach der Operation

Patienten unter Opioiden riskieren eher Atemdepressionen, die zu Hirnschäden oder gar zum Tod führen könnten. Dies trifft gelegentlich auch gesunde Patienten, denen ein anderes Sedativ verabreicht wurde, die andere Atemeinschränkungen haben (etwa Schlaf-Apnoe oder Übergewicht) oder denen fälschlicherweise zu hohe Dosen verabreicht wurden.

Ungenügende Kontrolle der Telemetrie-Anlagen

Bei der Fernüberwachung schleichen sich regelmässig Fehler ein. Gängig ist laut dem ECRI Institute die (fehlerhafte) Annahme, dass die Überwachungssysteme alle potentiell tödlichen Rhythmusstörungen entdecken; ferner der zu starke Einsatz von technischen Überwachungsgeräten zur Deckung von Personallücken; oder die Verbreitung der Daten ausschliesslich auf dem Stationszimmer – wo sie nicht beachtet werden, wenn niemand da ist.

Ungenügende Ausbildung des klinischen Personals mit den OP-Geräten

Es ist ein Problem, das mit den Fallzahlen auch zusammenhängt: 70 Prozent der Unfälle mit Medtech-Geräten geschehen wegen menschlicher Fehler – und diese Irrtümer sind meist dem Erfahrungsmangel geschuldet.
Die Übungsprogramme in vielen Spitälern stellen laut den ECRI-Erfahrungen nicht immer eine genügende Kompetenz im Umgang mit den Geräten sicher. Oder sie erreichen nicht alle Beteiligten. Oder aber die Geräte werden von einzelnen Ärzten oder Pflegern schon benutzt, bevor das Training abgeschlossen ist.

Wenn IT und Arbeitsabläufe nicht abgestimmt sind

Eine schlechte Anpassung dieser beiden Ebenen verursacht Fehler. Zum Beispiel, indem Informationen verschwinden (beziehungsweise jenen Personen verschlossen bleiben, die sie benötigen); wenn das System irgendwelche Standardwerte verwendet statt jener Werte, die benötigt werden (zum Beispiel bei Dosierungen oder Zeiten); oder wenn falsche Daten eingegeben werden.
Das ECRI Institute, ursprünglich Emergency Care Research Institute, ist eine Non-Profit-Organisation zur Erforschung der optimalen Patientenbetreuung und dabei insbesondere der Sicherheit. Es beschäftigt 400 Forscher, berät weltweit etwa 5'000 Institutionen, hat seinen Hauptsitz in Pennsylvania und zudem Niederlassungen in Grossbritannien, Malaysia und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 

Riskante Injektions-Praktiken

Spritzen und Infusionen führen immer noch zur Verbreitung von Bakterien und Viren. Als heikle Detailpunkte nennt das Institut die Wiederverwendung von Nadeln, welche zur Medikentenbewirtschaftung benutzt wurden; die Verwendung von Insulin-Spritzen durch mehrere Patienten (selbst wenn eine neue Nadel eingesetzt wird); die Verwendung einer Ampulle für mehrere Patienten; Fehler in der Asepsis bei Vorbereitung und Verabreichung von Medikamenten.

Mechanische Fehler bei Gammakameras

Aus Sicherheitsgründen mussten in den USA innert zwei Jahren über 40 Gammakameras zurückgerufen werden – unter anderem, nachdem es zu mehren schweren Unfällen und sogar zu einem Todesfall kam. Die Probleme erklärten sich oft mit ungenügender Wartung. Das ECRI erinnert auch daran, dass Patienten niemals unbeobachtet in einem Anger-Kamera-Raum sein sollten.

Fehler beim Einsatz von Intensivbeatmungsgeräten

Lungenverletzungen wegen des Beatmungsgeräts auf der Intensivstation – dies ein weiterer kritischer Punkt. Zwar gibt es Strategien – etwa tieferes Atemzugvolumen –, aber oft werden sie nicht benutzt und durchgesetzt. 

Falscheinsatz von USB-Anschlüssen

Wer unautorisierte Geräte über USB-Anschlüsse verknüpft, kann Fehlfunktionen auslösen – zum Beispiel ungewollte Neustarts (was zum Abbruch einer Therapieeinheit führen kann). Eine weitere, manchmal riskante Nebenwirkung kann in einer niedrigen Leistung liegen. Oder aber ein Alarm fällt aus. Und schliesslich bieten sich hier auch Lücken für die Sicherheit von Patientendaten.
Die Empfehlung: Spitäler sollten bei jedem Gerät festlegen, welche USB-Anschlüsse wie verwendet werden.
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