Die Zahnmediziner haben jetzt auch eine Quoten-Debatte

In Deutschland fordert ein Dentistenverband eine Quote für männliche Studenten. Denn sonst würden zu viele beim Numerus Clausus ausgesiebt: «Die Abitur-Noten der Frauen sind einfach besser».

, 15. Juli 2015, 13:55
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Die interessanteste Quotendiskussion erwächst derzeit in der Zahnmedizin. Oder genauer: in der deutschen Zahnmedizin. Dort fordert der Freie Verband Deutscher Zahnärzte, Verband Niedersachsen, die Einführung einer Männerquote bei der Vergabe von Studienplätzen.
Dem Ansinnen gaben die Delegierten bei ihrer Landesversammlung im Verhältnis 19 zu 13 statt. Die Organisation soll sich nun auf Landes- und Bundesebene politisch dafür einsetzen, dass auch Männer noch Wege offenstehen in der Zahnheilkunde.

Frauen nach Göttingen und Tübingen, Männer nach Ungarn und Rumänien

Das Problem: Mittlerweile gibt es in Deutschland Studienjahrgänge mit 100 Prozent Frauenanteil. Dass weitaus mehr junge Frauen als Männer Dentalmedizin studieren, ergibt sich aus der Numerus-Clausus-Guillotine: «Die Abitur-Durchschnittsnoten der Frauen sind einfach besser als die der Männer», meldet der Dentisten-Verband in seiner Mitteilung.
Und da es bei der Vergabe der Studienplätze in erster Linie um die Durchschnittsnote gehe, seien die Maturandinnen bei der Studienplatzvergabe erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen.
Das bedeute aber nicht, dass nicht auch junge Männer Zahnmedizin studieren, nur eben nicht unbedingt in Deutschland. «Ungarn und Rumänien sind recht beliebte Studienländer», sagt Ulrich Keck, Pressesprecher des FVDZ-Landesverbandes. «Dort sind viele deutsche männliche Studenten im Fach Zahnmedizin immatrikuliert.»
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