Die Pandemie kommt die fünf Schweizer Uni-Spitäler teuer zu stehen

Die Corona-Pandemie zeigt deutlicher als je zuvor: Die Schweiz leistet sich eine hochspezialisierte medizinische Versorgung – zu einem hohen Preis: Die fünf Universitätsspitäler schreiben hohe Verluste.

, 1. Juli 2020, 11:36
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Die Pandemie hat tiefe Löcher in den Kassen der fünf Universitätsspitäler der Schweiz hinterlassen. In den Corona-Monaten März bis Juni hatten sie Ertragsausfälle von insgesamt 290 Millionen Franken, weil sie den Normalbetrieb stoppen mussten.

Medizin auf hohem Niveau ist sehr teuer

Dazu kamen 66 Millionen Mehrkosten, welche die hochspezialisierten Spitäler in Basel, Bern, Lausanne, Genf und Zürich für die Vorbereitung und die Bewältigung der Coronafälle investierten.
Die insgesamt gut 350 Millionen Franken seien eine «enorme Belastung», klagen die Universitätsspitäler. Sie haben heute eine erste Bilanz zur Pandemie gezogen. Dass die Spitzenmedizin, die in den Schweizer Unispitälern betrieben wird, sehr teuer ist, ist nicht neu.

Schwere Covid-19-Fälle waren selten, aber besonders teuer

Denn die Universitätsspitäler behandeln all jene Fälle, die anderswo nicht behandelt werden können, weil sie zu schwer, zu kompliziert oder zu selten sind. Das bedeutet oft auch einen aussergewöhnlich hohen Aufwand und damit hohe Kosten.
Das, so sagten die Vertreter der fünf Spitäler heute an einer Pressekonferenz, sei während der Pandemie nicht anders gewesen: «Einer der Kostentreiber, das hat auch die Pandemie deutlich gezeigt, sind besonders schwer betroffene Patienten. Diese machen nur einen kleinen Anteil der Fälle aus, sind aber unter anderem für die hohe Belastung der Universitätsspitäler verantwortlich.»

Grundversicherte sind Verlustgeschäft

Bei Patienten, die nur eine obligatorische Krankenpflegeversicherung haben, seien die Kosten der Universitätsspitäler bereits heute nicht gedeckt.
Die Spitaldirektoren betonen in ihrer Bilanz, dass die Universitätsspitäler ihre Aufgabe während der Pandemie gut erfüllt hätten: Die gute Organisation, das hochspezialisierte Wissen bei der Behandlung von Schwerkranken, die Diagnostik und das umfassende Therapieangebot habe es den Unispitälern ermöglicht, rasch die für die Pandemie notwendigen Vorkehrungen zu treffen.

Schnell um 70 Prozent aufgestockt

Vor allem hätten die Spitäler rechtzeitig genug Betten gehabt. Innert kurzer Zeit konnten sie die 240 bestehenden Betten auf ihren Intensivstationen auf 395 Betten ausbauen. Sie hätten notfalls sogar 549 Betten anbieten können.
Dieser Maximalausbau war allerdings nicht nötig. Die erste Aufstockung auf 395 Betten hingegen schon. «Die Plätze für die Behandlung schwerstkranker Covid-19-Patienten hätten bereits in der 5. Woche nach Beginn der Pandemie nicht ausgereicht, wenn bei den Unispitälern nicht sofort reagiert und Kapazitäten aufgebaut worden wären», sagen die Direktoren.

Die fünf Universitätsspitäler der Schweiz

Die Schweiz hat an fünf Standorten in der Deutsch- und in der Westschweiz Universitätsspitäler: Das Universitätsspital Basel, die Insel-Gruppe in Bern, das Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), die Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) sowie das Universitätsspital Zürich (USZ). In diesen fünf Spitälern werden alle Behandlungsarten, von der Grundversorgung bis hin zur Spitzenmedizin, angeboten. Die fünf Universitätsspitäler betreuen jährlich etwa 210 000 stationäre und rund 3,5 Millionen ambulante Patienten.
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