«Wegfall der Leistungsaufträge kommt einer Schliessung gleich»

Die private Adus Klinik will für den Verbleib auf der Zürcher Spitalliste kämpfen. Mit einer Petition wehren sich die Spitalverantwortlichen und ein Komitee nun gegen die Abbaupläne.

, 29. April 2022 um 06:18
image
  • spital
Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich schlägt vor, der Adus Klinik aus Dielsdorf per Ende 2022 die Leistungsaufträge zu entziehen. Die Gesundheitsdirektion argumentiert, dass das Spital «keine Versorgungsrelevanz» habe und dass die gleichen Leistungen «in der Stadt besser» erbracht würden. Dagegen regt sich nun erwartungsgemäss Widerstand.  
Die Verantwortlichen der Klinik halten diese Argumentation für «falsch» und wehren sich im Hinblick auf die definitive Verabschiedung dagegen. Sie beantragen den Verbleib auf der Spitalliste und damit den weiteren Erhalt von Leistungsaufträgen. Die Rede ist von «willkürlichen Anträgen» und «teilweise tatsachen-widrigen Beurteilungen» der Gesundheitsdirektion.

Versorgungsrelevanz anerkennen

Die Klinik fordert die Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli auf, die Versorgungsrelevanz anzuerkennen und verlangt eine volle und bedingungslose Verlängerung der Leistungsaufträge  ab dem Jahr 2023.  Denn der Wegfall der Leistungsaufträge komme einer Schliessung der Klinik gleich. 
Die Klinik sei das einzige Spital im Bezirk Dielsdorf, heisst es weiter. Mit einer Petition soll der Gesundheitsdirektion die Relevanz der Klinik für die Region Dielsdorf und das Zürcher Unterland klar vor Augen geführt werden. Die Klinik hat die Petition zusammen mit einem Komitee lanciert, das von Kantonsrätin Barbara Franzen (FDP) aus Niederweningen und von Kantonsrat Stefan Schmid (SVP) aus Niederglatt angeführt wird.

Fokus auf elektive Orthopädie

Das überparteiliche Komitee betreibt eine eigene Webseite und führt verschiedene Zahlen auf: So sei in den vergangenen Jahren von Personen aus dem Zürcher Unterland, bei welchen ein Eingriff am Gelenk vorgenommen wurde, jeder fünfte in der Adus Klinik behandelt worden. Zudem seien 20 Prozent der Patienten der Klinik Personen gewesen, die bei einem Unfall verletzt worden waren. Darüber hinaus seien 90 Prozent der Patienten grundversichert. 
Für Adus ist klar: Eine Schliessung schwäche das Gesundheitszentrum Dielsdorf, wo sich die Privatklinik räumlich befindet, und gefährde die Sicherung von Arbeitsplätzen. Adus beschäftigt rund 40 Mitarbeitende und betreibt 3 Operationssäle mit 20 Akut-Betten. Der Behandlungsfokus liegt auf der elektiven Orthopädie, Sportmedizin, Traumatologie und Chirurgie.
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Jede Notfall-Konsultation kostet 460 Franken

Notfallstationen werden immer öfter besucht. Eine Obsan-Studie bietet nun Zahlen dazu. Zum Beispiel: 777'000 Personen begaben sich dreimal in einem Jahr auf den Spital-Notfall.

image

Pharmagelder 2024: Zuwendungen an Schweizer Ärzte steigen leicht

2024 erhielten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften zusammen 262 Millionen Franken – 16 Millionen mehr als im Jahr davor.

image

Ob FaGe, Apotheker, Physio oder Chefärztin: Das verdient man im Gesundheitswesen

Wie steht es um Ihr Gehalt? Hier finden Sie die Standard-Monatslöhne der wichtigsten Berufe in der Gesundheitsbranche.

image

Die 10-Prozent-Illusion der Schweizer Spitäler

Eine Betriebsrendite von zehn Prozent galt lange als Überlebens-Formel für Akutspitäler. Womöglich ist dieser Richtwert zu tief. Die Beratungsfirma PwC fordert mehr Effizienz – die Spitäler höhere Tarife.

image

Auf dem richtigen Weg

Der Markt für Krankenhaus-Informationssysteme (KIS) befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Die aktuellen Trends und Herausforderungen der Branche sowie die Erwartungen der Kliniken beleuchtet Dirk Müller, Director Product Management CIS4U bei Dedalus HealthCare.

image

Interprofessionelle Visiten auf dem Prüfstand

Die Visiten werden geschätzt, aber nicht alle Beteiligten sind gleich zufrieden. Vor allem die Pflege bemängelt ihre Einbindung und sichtet Verbesserungs-Chancen. Dies zeigt eine Umfrage in Schweizer Spitälern.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.