Der Hausarzt muss vom Einzelkämpfer zum Teamplayer werden

Nicht nur die Patientenzahlen steigen, sondern auch die Komplexität der Fälle. Um gerüstet zu sein, müssen sich Hausärzte auf interprofessionelle Modelle einlassen. Dies legt eine Studie des Bundes nahe.

, 7. Juli 2016, 11:52
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Ein durchschnittlicher Schweizer Hausarzt oder eine Hausärztin ist 54 Jahre alt, arbeitet wöchentlich 46,6 Stunden, nimmt sich für eine Konsultation 19,6 Minuten Zeit und ist: Einzelkämpfer. Gut die Hälfte der Hausärzte sind in Einzelpraxen tätig, wie eine neue Erhebung des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigt. 

Wenig Austausch

In diesem «arztzentrierten» Modell werden alle für die Patienten zu erbringenden klinischen, sozialen oder administrativen Dienstleistungen von den Hausärzten selber organisiert und erbracht, teilweise zusammen mit medizinischen Praxisassistentinnen. Nur 10 Prozent arbeiten in einer Gruppenpraxis mit Spezialisten. Auch gibt es wenig Austausch mit anderen Fachrichtigungen oder Disziplinen wie Pflege oder Spitex, stellen die Studienautoren fest. 

Neues Rollenverständnis gefordert

Die Konzentration auf den Hausarzt berge Risiken, wird gewarnt, vor allem wenn immer komplexere und zahlreichere klinischen Dienstleistungen erbracht werden müssen und die Patientenzahlen steigen. 94 Prozent der Konsultationen werden ausschliesslich von Hausärzten ohne Beteiligung von Fachärzten erbracht. 
Die Autoren regen an, stärker auf neue Formen der Gesundheitsversorgung zu setzen wie neue, interprofessionelle Hausarztmodelle. Wie dies im Ausland bereits geschieht. Auch die Rolle der medizinischen Praxisassistenten könnte gestärkt werden. In anderen Ländern übernehmen sie wichtige Aufgaben in der Koordination und entlasten damit die Ärzte. Damit liesse sich der Hausarztmangel auch in der Schweiz entschärfen. 

Zur Studie:
«Die Hausarztmedizin in der Schweiz - Perspektiven» - Analyse basierend auf dem Programm SPAM (Swiss Primary Care Active Monitoring) in: «Obsan Bulletin 11/2016»

Wertschätzung verbessern

Laut Studie übt das stark ärztezentrierte Modell einen grossen Druck auf die medizinische Demografie aus. Konkret steht die Hausarztmedizin vor einer Pensionierungswelle. Die Alterung der Ärzte wird im Bericht als «ernsthaftes Risiko für das Schweizer Gesundheitssystem bezeichnet». 
Schon jetzt sind grosse Anstrengungen notwendig, um die Erneuerung der Arbeitskräfte zu sichern. Nebst der Förderung von jungen Hausärzten in der Ausbildung muss laut den Autoren vor allem auch die Wertschätzung für die Hausarztmedizin verbessert werden. 

Elektronisches Patientendossier wenig verbreitet

Das hohe Durchschnittsalter von 54 Jahren ist wohl auch ein Grund, warum nur 54 Prozent der Ärzte mit dem elektronischen Patientendossier arbeitet. Der Trend zeigt zwar nach oben, ist aber im internationalen Vergleich immer noch tief. Die Niederlande etwa kommen auf 98 Prozent.
Mithilfe von 56 Indikatoren ermittelte der Bericht die Stärken und Schwächen der Hausarztmedizin. Er stützt sich auf ein seit 2010 bestehendes Monitoring der Universität Lausanne.

Stärken und Schwächen auf einen Blick

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Quelle: Obsan

Hohe Hausarztdichte

Hier weitere ausgewählte Ergebnisse der Studie: 

  • Mit 105,5 Hausärzten pro 100'000 Einwohner liegt die Hausarztdichte über dem internationalen Durchschnitt. Bei einer umfassenden Betrachtung des Zugangs, die auch Menge und Art der ärztlichen Leistungen sowie finanzielle Hürden berücksichtigt, schneidet die Schweiz allerdings unterdurchschnittlich ab. 
  • Fast alle Hausärzte liegen weniger als 40 Minuten von ihren Patienten entfernt. 
  • Die Beziehung zwischen Arzt und Patient gilt als gut, dies nicht zuletzt dank einem Gesundheitssystem, das im internationalen Vergleich lange Konsultationen ermöglicht. 98 Prozent der Patienten sind der Meinung, dass der Hausarzt genügend Zeit für sie aufwendet. 

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