Damit sich die Patienten sogar besser als zu Hause fühlen

Warmes Licht, weiche Polster: Spitäler entdecken das Interior Design. Die Idee dahinter: Nicht nur medizinische Versorgung, auch ein wohliges Ambiente fördert die Genesung. In einem deutschen Krankenhaus wird das Patientenzimmer der Zukunft nun erprobt.

, 14. März 2016, 05:00
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Funktional, künstlich, kühl: Patientenzimmer sind in der Regel alles andere als Wohlfühloasen. Dabei hat ein wohliges Ambiente mit sanfter Beleuchtung und weichen Materialien nachweislich eine positive Wirkung auf die Genesung. 
Die deutschen Asklepios Kliniken haben dazu ein Forschungsprojekt mit dem ambitionierten Titel «Redesigning Healthcare» lanciert. Mit 20 Partnerfirmen – darunter der Schweizer Sanitärgruppe Geberit – wurde während zwei Jahren untersucht, wie ein Patientenzimmer aussieht, das modernste medizinische und pflegerische Versorgung mit einer angenehmen Atmosphäre kombiniert. Gleichzeitig soll es die Erwartungen künftiger Patienten an Sicherheit, Individualität, Privatsphäre, Service und Komfort erfüllen. 
Herausgekommen ist nach Angaben der Entwickler ein Zimmer «voller medizinischer Innovationen und technischer Highlights, das eine Lebensqualität ermöglicht, die es zuvor in keiner Klinik gab». Sein Name: Room 2525. 
In der Asklepios Klinik St. Wolfgang in Bad Griesbach wurde nun erstmals ein Patientenzimmer nach dem neuen Konzept eingerichtet, um es im täglichen Klinikbetrieb zu testen. 
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Verschiedene Lichtquellen: Room 2525 (Bild: PD)
Die Fragen, die sich die Entwickler stellten, lauteten: Wie wirken sich die Raumatmosphäre auf die Genesung von Patienten aus? Welchen Einfluss hat die Beleuchtung auf den Heilungsprozess? Wie kann die Akustik Angst und Stress abbauen? Wie können Energie- und Wasserverbrauch verbessert werden? Wie können umweltschonende Materialien zu Hygiene und Reinigung des Zimmers beitragen? Dies sind die Antworten: 

Die Besonderheiten des Room 2525


  • Fussboden: Da Parkettböden aus hygienischen Gründen nicht in Frage kommen, wurde das Zimmer mit einem hygienischen und rutschhemmenden Vinylboden und einem Wanddekor in Eichenholzoptik ausgestattet, welche das Ansiedeln von Bakterien verhindern.  
  • Möbel: Eigens für den Room 2525 hat das italienische Designlabel Very Wood Möbel konzipiert, die funktional und dennoch wohnlich sind. Sie sind aus Buche, Esche oder Nussbaum, leicht zu verschieben, rund in der Form und haben eine dehnbare Polsterung. Die Kleiderschränke wurden mit Hochglanzfolien überzogen, die edel wirken und hygienisch sind. 
  • Vorhänge, Wände: Spezielle Webstrukturen der Stoffe dunkeln das Zimmer zu 99 Prozent ab. Eine spezielle Wandfarbe reflektiert das Licht, was die Beleuchtung energieeffizienter macht. 
  • Vernetzung: Drei variabel einsetzbare Bildschirme sind in die Wand integriert. Die Geräte dienen auch als Monitore für Fernsehen, Notebooks, Tablets oder Smartphones. Aber auch Untersuchungsergebnisse oder Röntgenbilder können digital angeschaut werden. Zudem lassen sich mit dem Deckenlicht abgestimmte Bilder wie Naturkulissen oder Kaminfeuer zeigen. 
  • Technik: Licht schalten, dimmen, Jalousien oder Fenster öffnen, Temperatur oder Klimaanlage regeln: Alle diese Funktionen kann der Patient vom Bett aus über ein Panel steuern. Die Qualität der Raumluft, Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden von einem Sensor überwacht, ebenso die Trinkwasserqualität. In der Nacht schaltet ein Bewegungsmelder gedimmtes Licht ein, sobald er eine Bewegung erkennt. Licht kann auch berührungslos durch eine Handbewegung eingeschaltet werden. Über das Terminal hat der Patient im Blick, wer vor der Türe steht und kann die Türe automatisch öffnen. 
  • Beleuchtung: Das grossflächige Deckenlicht kann sowohl Tageslicht als auch ein helles Untersuchungslicht für Arzt und Pflegepersonal erzeugen. Über separate Schaltung wird die Allgemeinbeleuchtung, die Untersuchungsbeleuchtung sowie das Lese- und Orientierungslicht gesteuert. Da LED-Licht keine ultravioletten und infraroten Anteile hat, schont es Haut und Gewebe der Patienten. 
  • Akustik: Eine 70 Millimeter dicke Schallschutztür hält die Geräusche des Klinik-Alltags vom Patienten fern. Ein im Eingangsbereich zu Bad und WC in der Decke integriertes Soundboard verströmt leise, beruhigende Musik.

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