Covid: Jeder zehnte Europäer hat geringeres Sterberisiko

Eine neue deutsche Studie zeigt: Eine bestimmte Genvariante verringert das Sterberisiko um einen Drittel. Die Ergebnisse wurden in «Frontiers of Genetics» publiziert.

, 2. August 2022, 05:41
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Etwa jeder zehnte Mensch in Europa hat aufgrund einer Genvariante ein deutlich vermindertes Risiko, im Fall einer Infektion mit Sars-CoV-2 an Corona zu sterben. Dies geht aus einer Studie hervor, die am 1. August in der Fachzeitschrift Frontiers of Gene­tics publiziert wurde. 
Von 1570 Patienten, deren Daten Birte Möhlendick vom Universitätsklinikum Essen und Mitarbeiter auswerteten, konnten 205 (13%) wegen eines milden Verlaufs ambulant weiter behandelt werden, während 760 (48%) stationär aufgenommen werden mussten. Insgesamt 292 Personen (19%) mussten auf der Intensivstation behandelt werden und 313 Menschen verstarben (20%). 
«Wie bereits bekannt, konnten wir auch beobachten, dass ein jüngeres Lebensalter und das Fehlen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes das Risiko um die Hälfte reduziert, nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu sterben», fasst Studienleiterin Möhlendick in der Medienmitteilung zusammen. 
«Aber besonders erstaunlich und bisher eine völlig neue Erkenntnis ist, dass die Genvariante GNB3 TT das Risiko, zu sterben, um 35 Prozent reduziert.» Diese Variante trägt etwa 10 Prozent der europäischen Bevölkerung.
In Zusammenarbeit mit der Klinik für Infektiologie und dem Institut für Transfusionsmedizin konnte auch gezeigt werden, dass die Immunzellen von Personen mit einem milden Verlauf im Laborversuch stärker auf das Coronavirus reagierten als die Zellen von Menschen mit schweren Krankheitsverläufen. 
«Wir konnten auch zeigen», so die Studienleiterin weiter, «dass die Zellen von Menschen mit dem GNB3 TT-Genotyp am stärksten auf das Coronavirus reagierten was möglicherweise erklärt, warum bei diesen Genträgern das Todesrisiko so stark reduziert ist.»
GNB3 enthält die Information für die «G Protein Subunit Beta 3». Es handelt sich um einen Bestandteil von G-Proteinen, die auf vielen Zellen als Rezeptor fungieren. Mutationen in GNB3 wurden in früheren Studien mit unterschiedlichen Krankheiten wie Nachtblindheit, eine essentielle Hypertonie oder eine Adipositas in Verbindung gebracht.
Derzeit laufen Untersuchungen dazu, welche weiteren Genvarianten Einfluss auf die Covid-19 Erkrankung haben.
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